Diagnose des Diabetes

Die Diagnose eines Diabetes lässt sich auf drei verschiedene Arten mithilfe einer Blutuntersuchung stellen: Durch die Messung des HbA1c-Wertes, der den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 3 Monate wiedergibt, durch die Bestimmung des Nüchternblutzuckers und durch einen Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest, OGTT). Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über diese drei Testverfahren.

HbA1c-Wert ("Langzeitblutzucker")

Am einfachsten ist die Bestimmung des HbA1c-Wertes, des "Langzeitblutzuckers". Der HbA1c-Wert entsteht durch Anlagerung von Zucker (Glukose) an das in den roten Blutzellen enthaltene Hämoglobin ("Hb"): Je höher der Blutzucker ist, desto mehr Zucker lagert sich an das Hämoglobin an. Misst man, wieviel Zucker sich an das Hämoglobin eines Menschen angelagert hat, lassen sich damit Rückschlüsse bezüglich der durschschnittlichen Höhe seines Blutzuckers ziehen. Und da die roten Blutzellen etwa 12 Wochen leben, bevor ihr Hämoglobin wieder abgebaut wird, gibt der Grad der "Verzuckerung" des Hämoglobins die durchschnittliche Höhe des Blutzuckers der letzten 3 Monate wieder. 

Der Hba1c-Wert entsteht durch Anlagerung von Glukose an das Hämoglobin
Das Prinzip des HbA1c-Wertes: Je höher der Blutzucker im Durchschnitt ist, umso mehr Glukose lagert sich an das Hämoglobin der roten Blutzellen an

Der HbA1c-Wert wird meist als Prozentzahl ausgedrückt. Menschen ohne Diabetes haben in der Regel HbA1c-Werte von weniger als 5,7%. Bei einem HbA1c-Wert von 6.5% oder darüber kann die Diagnose eines Diabetes gestellt werden. Liegt der Wert zwischen 5,7% und 6.4% so besteht ein Prädiabetes, also eine Vorstufe des Diabetes, mehr dazu weiter unten.

Ein grosser Vorteil des HbA1c-Wertes ist, dass er jederzeit gemessen werden kann, selbst wenn ein Patient gerade gegessen hat. Der HbA1c-Wert ist auch der wichtigste Test, um die Therapie des Diabetes zu kontrollieren. Mehr zum HbA1c-Wert finden Sie auf der Seite "Überprüfung der Therapie".

Nüchtern-Blutzucker

Ebenfalls einfach zu bestimmen ist der Nüchtern-Blutzucker. Menschen ohne Diabetes haben morgens vor dem Essen in der Regel Blutzuckerwerte von weniger als 100mg/dl. Liegt der morgendliche Blutzucker vor dem Essen mehrmals über 100mg/dl, besteht bereits eine Vorstufe des Diabetes, ein Prädiabetes. Liegen die Werte vor dem Essen mehrmals bei 126 mg/dl oder darüber, lässt sich ein Diabetes diagnostizieren.

Oraler Glukosetoleranztest (OGTT)

Eine weitere, wenn auch aufwändigere Möglichkeit, ist die Durchführung eines Oralen Glukosetoleranztestes (OGTT). Bei diesem Test bekommt der Patient eine Lösung mit 75g Glukose zu trinken. Der Blutzucker wird vor und 120 Minuten nach Gabe der Zuckerlösung gemessen. Entscheidend ist der Wert nach 120 Minuten, dieser sollte unter 140 mg/dl liegen. Liegt der Wert über 200 mg/dl, so besteht ein Diabetes. Bei einem Wert zwischen 140 und 200mg/dl besteht wiederum eine Vorstufe des Diabetes, ein Prädiabetes. Der OGTT ist nur in unklaren Fällen notwendig. Häufig durchgeführt wird er, um einen Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen. Während der Schwangerschaft kommen andere Grenzwerte zum Einsatz, lesen Sie mehr dazu auf der Seite über den Schwangerschaftsdiabetes.

Eine Übersicht über die diagnostischen Kriterien des Diabetes gibt die folgende Tabelle:
Testverfahren Normal

Erhöht

(Prädiabetes)

Diabetes 
HbA1c-Wert
< 5.7% 
5.7 - 6.4 %
≥ 6.5%

Nüchtern-

Blutzucker

< 100 mg/dl 100 - 125 mg/dl ≥ 126 mg/dl 

 120 Minuten-Wert

im OGTT

 < 140 mg/dl 140 - 199 mg/dl  ≥ 200mg/dl 

Bedeutung des Prädiabetes

Zwischen dem, was die Medizin als normalen Blutzuckerwert ansieht und dem, was wir als Diabetes bezeichnen, liegt eine Grauzone, die als Prädiabetes bezeichnet wird: Der Blutzucker ist höher als normal, erfüllt aber noch nicht die Diagnose-Kriterien eines Diabetes (siehe dazu auch den gelb hinterlegten Bereich in der Tabelle oben).

 

Menschen mit einem Prädiabetes haben ein erhöhtes Risiko, später an einem Diabetes zu erkranken. Es besteht auch bereits ein leicht erhöhtes Risiko für Gefässerkrankungen, wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. Wie der Diabetes ist auch der Prädiabetes häufig im Rahmen des metabolischen Syndroms anzutreffen, d.h. er tritt häufig zusammen mit Übergewicht, Bluthochdruck und Störungen der Blutfette auf.

 

Die drohende Zuckerkrankheit schon im Stadium des Prädiabetes zu erfassen bedeutet für die Patienten eine Chance, das spätere Auftreten eines Diabetes noch zu verhindern: Durch vermehrte körperliche Bewegung und Gewichtsabnahme lässt sich der Übergang in den Diabetes häufig noch verhindern. In Fällen mit besonders hohem Risiko kann auch der Einsatz des Medikamentes Metformin bereits im Stadium des Prädiabetes sinnvoll sein. Studien zeigen, dass so ein Fortschreiten der Erkrankung in Richtung des Diabetes aufgehalten oder zumindest verzögert  werden kann.