Was ist Diabetes?

Nachdem wir auf der vorhergehenden Seite gelernt haben, wozu das Insulin gut ist, können wir uns nun damit beschäftigen, was passiert, wenn es an Insulin mangelt. Schauen wir uns zunächst einmal an, was man genau unter Diabetes versteht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Diabetes folgendermassen:

"Diabetes mellitus ist eine Erkrankung unterschiedlicher Ursache, die durch chronisch erhöhten Blutzucker und Störungen im Bereich des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweiss-Stoffwechsels gekennzeichnet ist. Hervorgerufen wird sie durch eine verminderte Insulinproduktion, eine verminderte Insulinwirkung oder beides."

Es gibt also zwei wesentliche Mechanismen, die zum Diabetes führen können:

  • Zum einen kann die Insulinproduktion vermindert sein, also ein Insulinmangel bestehen. Dies ist immer der Fall beim selteneren Typ 1-Diabetes (mehr zu den unterschiedlichen Typen des Diabetes erfahren Sie auf der folgenden Seite).
  • Zum anderen kann das Problem auch darin bestehen, dass das Insulin zwar noch gebildet wird, im Körper aber keine ausreichende Wirkung mehr entfaltet. Dies wird als Insulinresistenz bezeichnet und ist der wesentliche Krankheitsmechanismus beim Typ 2-Diabetes, der häufigsten Form des Diabetes. Die meisten Typ 2-Diabetiker weisen aber eine Kombination aus beiden Problemen auf: Sie haben zunächst vor allem eine Insulinresistenz, zu der sich im Verlauf eine zunehmende Störung der Insulinproduktion gesellt, so dass bei ihnen schliesslich sowohl Insulinmangel als auch -resistenz vorliegen.

Was passiert, wenn zuwenig Insulin da ist?

Fehlt es im Körper an Insulin, oder reagiert der Körper nicht mehr ausreichend darauf, steigt der Blutzucker an. Dies geschieht über zwei wesentliche Mechanismen:

  • Während, wie wir zuvor gelernt haben, im gesunden Körper die Glukoseproduktion der Leber durch Insulin auf das gerade benötigte Mass gedrosselt wird, funktioniert diese Hemmung beim Insulinmangel nun nicht mehr. Die Folge ist eine ständige Produktion von Glukose durch die Leber mit der Konsequenz eines andauernd erhöhten Blutzuckerspiegels. Der Blutzucker kann beim Diabetes deshalb auch dann erhöht sein, wenn gar nichts gegessen wird. Der erhöhte Nüchternblutzucker ist damit das typische Zeichen einer mangelnden Insulinwirkung auf die Leber.
  • Nach dem Essen bewirkt das Insulin im gesunden Körper einen vermehrten Einstrom von Glukose in die Muskulatur, die sich auf diese Weise eine Treibstoffreserve anlegt. Ein grosser Teil der mit dem Essen aufgenommenen Glukose wird normalerweise unter dem Einfluss des Insulins in die Muskulatur eingeschleust und dort gespeichert.
    Wenn beim Diabetes dieser Vorgang der Glukospeicherung der Muskulatur aufgrund einer mangelnden Insulinwirkung gestört ist, führt der Verzehr von Kohlenhydraten zu überhöhtem Blutzucker nach dem Essen. Erhöhte Blutzuckwerte nach dem Essen sind also ein Indikator für eine mangelnde Insulinwirkung auf die Muskulatur.

Welche dieser beiden Komponenten überwiegt, ist von Diabetiker zu Diabetiker unterschiedlich: Einige Patienten haben vor allem erhöhte Nüchternblutzuckerwerte, andere eher hohe Blutzuckerwerte nach dem Essen. Die meisten Patienten weisen aber beide Komponenten auf.

 

Durch das fehlende Insulin kommt es zudem zu einer vermehrten Freisetzung von Fetten aus dem Fettgewebe, was zu erhöhten Blutfettwerten führt.

Die Auswirkungen des Insulinmangels auf Leber, Muskel und Fettgewebe
Die Auswirkungen eines Insulinmangels auf die drei Zielorgane des Insulins

Symptome des Diabetes

Die eröhten Blutzuckerwerte können zu Beschwerden wie Durst, vemehrtem Wasserlassen, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und anderen führen. In den allermeisten Fällen bleiben die Betroffenen aber über Jahre bis Jahrzehnte beschwerdefrei und ahnen deshalb nicht einmal, dass sie Diabetiker sind. Man schätzt, dass deshalb gerade einmal 50% aller Diabetiker in Deutschland überhaupt von ihrer Erkrankung wissen! Diese hohe Dunkelziffer stellt ein grosses Problem dar, denn für die Erkrankten bedeutet dies, dass ihr Diabetes häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. In vielen Fällen liegen bei Diagnosestellung bereits nicht mehr heilbare Spätschäden vor, so dass das Hauptziel der Diabetologie, nämlich den Patienten gesund zu halten, nicht mehr wirklich erreicht werden kann.

 

Sie erfahren mehr über die Spätschäden des unkontrollierten Diabetes auf der Seite Folgeschäden. Wie man die Diagnose schon im Frühstadium stellen kann, lesen Sie auf der Seite Früherkennung und Risikofaktoren.