Was ist Insulin?

Diabetes ist eine Erkrankung, die durch einen Mangel oder eine unzureichende Wirkung des Hormons Insulin entsteht. Um zu verstehen, was beim Diabetes passiert, wollen wir uns deshalb zunächst kurz mit dem Insulin und seiner Aufgabe im gesunden Körper beschäftigen.

Bauchspeicheldrüse und Inselzellen

Das Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse, dem Pankreas, gebildet. Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch des Menschen. Sie erfüllt zwei wichtige Aufgaben: Zum einen ist sie ein wichtiger Produzent von Verdauungsenzymen, die unserem Körper helfen, die mit dem Essen aufgenommenen Nährstoffe chemisch aufzubereiten. Zum anderen produziert sie eine Reihe verschiedener Hormone, von denen das Insulin das bekannteste ist.

 

Die beiden funktionell unterschiedlichen Anteile der Bauchspeicheldrüse sind auch anatomisch voneinander abgegrenzt. Der Hauptteil der Bauchspeicheldrüse besteht aus Drüsenzellen, die Verdauungsenzyme herstellen. Darin eingebettet finden sich Gruppen von hormonproduzierenden Zellen, die zu dichten Zellhaufen zusammengelagert sind (siehe auch die Abbildung unten). Da diese unter dem Mikroskop ein bischen so aussehen, wie Inseln auf dem Ozean, werden sie nach ihrem Entdecker auch als "Langerhanssche Inseln" bezeichnet. Daher auch der Name Insulin: Das Hormon, das von der Insel stammt.

 

Abbildung: Bauchspeicheldrüse und Inselzellen.

  • Links: Die Lage der Bauchspeicheldrüse im Oberbauch
  • Rechts oben: Der Hauptteil der Bauchspeicheldrüse besteht aus Zellen, die Verdauungsenzyme produzieren. In diese eingebettet finden sich Gruppen von hormonproduzierenden Zellen, die "Langerhansschen Inseln", hier lila eingezeichnet.
  • Rechts unten: Eine Langerhanssche Insel in der Ansicht unter dem Mikroskop (mod. aus: Wikipedia commons)

 

Das Insulin und seine Wirkung auf den Körper

Die meisten von uns kennen Insulin als "den Stoff, der den Blutzucker senkt". Die Aufgabe des Insulins im gesunden Körper ist in Wirklichkeit aber wesentlich komplexer und betrifft nicht nur unseren Blutzucker, sondern auch den Stoffwechsel von Eiweissen und Fetten.

 

Verkürzt dargestellt kann man sich einprägen, dass Insulin in seiner Funktion als Stoffwechselregulator vor allem auf drei Organe im Körper wirkt: Auf die Leber, die Muskulatur und das Fettgewebe.

 

  • Eine der vielen Aufgaben der Leber ist es, immer einen ausreichenden Blutzuckerspiegel sicherzustellen, denn ohne eine ausreichende Menge an Glukose im Blut könnten wir nicht überleben. Wenn wir hungern, beginnt die Leber deshalb, Glukose herzustellen und in das Blut abzugeben, um so einem Abfallen des Blutzuckerspiegels vorzubeugen. Wenn wir unseren Blutzucker einige Stunden nach der letzten Mahlzeit bestimmen, so stammt der Zucker, der dann vorhanden ist, einzig und alleine der Leber! Wieviel Glukose die Leber produziert wenn wir hungern, wird durch das Insulin gesteuert: Je mehr Insulin im Blut ist, umso stärker wird die Glukoseproduktion der Leber gedrosselt, je weniger Insulin vorhanden ist, umso mehr Glukose gibt die Leber ins Blut ab .
  • Im Fettgewebe fördert das Insulin die Aufnahme von Fett aus dem Blut und hemmt die Freisetzung von Fetten.
  • In der Muskulatur wird unter dem Einfluss von Insulin vermehrt Zucker gespeichert, um später als Brennstoff für Muskeltätigkeit zu dienen. Dieser Vorgang der Glukosespeicherung in der Muskulatur findet vor allem nach den Mahlzeiten statt, wenn kurzfristig viel Glukose zur Verfügung steht.
Insulin wirkt vor allem auf die Leber, die Muskulatur und das Fettgewebe
Die Hauptzielorgane des Insulins: Die Leber, das Fettgewebe und die Muskulatur