Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)

Trotz ihrer geringen Grösse und eines Gewichts von gerade einmal 0.6g ist die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) die Steuerzentrale der hormonellen Regulation des menschlichen Körpers. Da hier auf engstem Raum die Regulation der wichtigsten hormonellen Systeme des Körpers erfolgt, ist sie für den Endokrinologen ein besonders faszinierendes Organ. Funktionsstörungen und gutartige Geschwulste (Adenome) der Hypophyse sind zudem keine Seltenheit und können zu weitreichenden Konsequenzen in der hormonellen Balance des Körpers führen und vielfältige Beschwerden verursachen.

 

Wir möchten Ihnen auf dieser ersten Seite zunächst ein Basiswissen über den Aufbau und die normale Funktion der Hypophyse vermitteln. Um die später vorgestellten Erkrankungen der Hypophyse besser zu verstehen, ist es ratsam, diese Informationen zunächst eingehend zu studieren.  


Da viele hypophysäre Funktionsstörungen durch gutartige Geschwulste (Adenome) der Hypophyse verursacht werden, finden Sie auf der nächsten Seite dieses Abschnittes dann zunächst noch tiefergehende Informationen zu diesem Thema. Die Krankheitsbilder, die durch eine Überproduktion von Hormonen aufgrund von Hypophysenadenomen, wie z.B. die Akromegalie, das Prolaktinom oder den Morbus Cushing, stellen wir Ihnen dann im Detail auf der folgenden Seite vor. Zum Schluss besprechen wir, was passiert, wenn hypophysäre Hormone fehlen und wie man dies therapieren kann.


Anatomie der Hypophyse

Die Hypophyse liegt in einer knöchernen Ausbuchtung, der Sella turcica (übersetzt: „Türkensattel“) und ist von einem Geflecht aus Gefässen umgeben, welches die Hypophyse mit Blut versorgt und die dort produzierten Hormone weiter in den Körper transportiert.


Unmittelbar oberhalb der Hypophyse liegt die Sehnervenkreuzung, das Chiasma opticum: An dieser Stelle kreuzt ein Teil der aus der Netzhaut des Auges kommenden Nervenfasern auf die andere Seite des Gehirns. Die Nähe zu dieser Sehnervenkreuzung kann bei grösseren Geschwulsten der Hypophyse ein Problem sein: Drückt ein Geschwulst auf die sich hier überkreuzenden Sehnerven, kann es zu Sehstörungen kommen.

 

Die Hypophyse besteht aus zwei Anteilen mit völlig unterschiedlichem Ursprung:

  • Dem Hypophysenvorderlappen, einer Drüse, in der die wichtigsten Hormone der Hypophyse gebildet werden. Wenn wir von der Hypophyse als hormonelle Steuerzentrale des Körpers reden, dann meinen wir den Hypophysenvorderlappen, denn es sind die hier gebildeten Hormone, die diese wichtige Steuerfunktion ausüben.
  • Dem Hypophysenhinterlappen. Der Hypophysenhinterlappen ist, anders als der Hypophysenvorderlappen, keine Drüse, denn er enthält keine Drüsenzellen: Der Hypophysenhinterlappen besteht aus Nervenendigungen, aus denen Hormone ins Blut freigesetzt werden. Die Nervenzellen, die diese Hormone herstellen und über ihre Fortsätze bis zum Hypophysenhinterlappen transportieren, liegen aber nicht in der Hypophyse selber, sonder in einer höheren Struktur des Gehirns, dem Hypothalamus.

Die folgende Grafik verdeutlicht die anatomischen Zusammenhänge:

Lage der Hypophyse, Aufbau in Vorder- und Hinterlappen

 

Abbildung: Die Anatomie der Hypophyse.
Linke Bildseite: Die Lage der Hypophyse (roter Kreis).
Rechte Bildseite: Die Hypophyse gliedert sich in den Hypophysenvorderlappen, der aus Drüsenzellen besteht und den Hypophysenhinterlappen, in dem Nervenfasern enden, die oberhalb der Hypophyse, im Hypothalamus, ihren Ursprung haben. Ganz in der Nähe der Hypophyse liegt die Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum), wo ein Teil der Nervenfasern aus dem Auge auf die gegenüberliegende Hirnseite kreuzt.


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