Hypophysenadenome

Hypophysenadenome sind gutartige Geschwulste des Hypophysenvorderlappens. Sie wachsen sehr langsam, über Jahre bis Jahrzehnte, und bleiben deshalb meist lange Zeit unentdeckt. Weil sie aus den hormonbildenden Drüsenzellen der Hirnanhangsdrüse hervorgehen, können sie zu einer Überproduktion hypophysärer Hormone führen. Dies löst dann einige ganz typische Krankheitsbilder aus, über die Sie auf den folgenden Seiten noch mehr erfahren werden.  Auch wenn Sie aus den hormonbildenden Drüsenzellen hervorgehen, produzieren nicht alle Hypophysenadenom Hormone: Nur in etwas weniger als der Hälfte der Fälle lässt sich eine vermehrte Produktion hypophysärer Hormone nachweisen, die Mehrzahl der Hypohysenadenome ist hormonell inaktiv.

 

Dadurch, dass das Geschwulst die Struktur der gesunden Anteile der Hypophyse schädigt, kann es aber auch zu einem Mangel einzelner oder sogar aller hypophysärer Hormone kommen, ein Zustand der als Hypophyseninsuffizienz bezeichnet wird. Bei den Betroffenen kann sich also gleichzeitig die Überproduktion eines hypophysären Hormons durch das Adenom und eine Unterproduktion anderer hypophysärer Hormone durch Zerstörung der normalen Hypophyse finden.

 

Abgesehen von der Auslösung hormoneller Störungen spielt die Raumforderung durch das Hypophysenadenom eine wichtige Rolle: Da der Platz im Schädel begrenzt ist, kann es bei grossen Hypophysenadenomen durch Druck auf die nahegelegene Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) zu Sehstörungen kommen. Nicht selten treten bei grösseren Adenomen auch Kopfschmerzen auf.

Klassifikation nach Grösse und Hormonbildung

Bei der Beurteilung eines Hypophysenadenomes müssen zunächst zwei entscheidende Fragen geklärt werden: Wie gross ist das Adenom? Und: Bildet es Hormone?

 

Entsprechend ihre Grösse werden Hypophysenadenom in zwei Kategorien eingeteilt:

 

  • Als Mikroadenome werden Adenom mit einem Durchmesser von weniger als 10mm bezeichnet. Diese machen in der Regel keine Probleme durch ihren raumfordernden Effekt, so dass Sehstörungen und Kopfschmerzen nur sehr selten sind. Muss ein Mikroadenom operiert werden, z.B. weil es bestimmte Hormone bildet, so ist die Erfolgsrate der Operation bei diesen kleinen Geschwulsten sehr gut. Meist können sie vollständig entfernt werden, ohne dass die gesunde Hypophyse stärker in Mitleidenschaft gerät.

 

  • Makroadenome haben einen Durchmesser von 10mm oder mehr. Je grösser das Adenom ist, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass es durch Druck des Tumors auf die Sehnervenkreuzung zu Sehstörungen kommt. Diese Druckerscheinungen findet man deshalb vor allem bei den Makroadenomen. Die Wahrscheinlichkeit, den Tumor durch eine Operation vollständig entfernen zu können, sinkt zudem, je grösser das Geschwulst ist.
Mikro- und Makroadenome der Hypophyse

Abbildung: Je nach Grösse unterscheidet man zwischen Mikroadenomen und Makroadenomen der Hypophyse:

  • Mikroadenome sind weniger als 10mm gross und führen deshalb nur selten zu örtlichen Druckerscheinungen. Auch wird die Funktion der gesunden Anteile der Hypophyse meist nicht durch sie beeinträchtigt.
  • Makroadenome können hingegen durch ihren raumfordernden Effekt zu Druck auf den Sehnerven und dadurch zu Sehstörungen führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die gesunden Zellen der Hypophyse geschädigt werden und es deshalb zu Hormonmangelerscheinungen, einer "Hypophyseninsuffizienz", kommt, ist grösser.

Das zweite, entscheidende Kriterium bei der Beurteilung eines Hypophysenadenoms ist das der hormonellen Aktivität:

 

  • Hormonell aktive Adenome führen zu einer unkontrollierten Freisetzung von Hormonen. In der Regel wird nur eines der hypophysären Hormone vermehrt gebildet, gelegentlich finden sich aber auch Mischformen, die mehrere Hormone gleichzeitig ausschütten.

 

  • Hormonell inaktive Adenome stellen keine Hormone her oder produzieren nur wirkungslose Vorstufen.

 

Um festzulegen, ob und wie ein Hypophysenadenom therapiert werden muss, müssen diese beiden wichtigen Fragen zunächst zweifelsfrei beantwortet sein.

Therapie von Hypophysenadenomen

Wichtigste Frage ist zunächst: Muss überhaupt etwas unternommen werden? Nicht jedes Hypophysenadenom bedarf einer Therapie. Vor allem symptomlose Adenome, die nur als Zufallsbefund auf einem Röntgenbild entdeckt wurden (sog. Inzidentalome) bedürfen meist keiner therapeutischen Intervention.

 

Es gibt aber zwingende Gründe für ein therapeutisches Einschreiten:

  • Der Nachweis einer Hormonproduktion durch das Adenom.
  • Das Vorliegen von Sehstörungen durch Kompression der Sehnervenkreuzung bei grossen Hypophysenadenomen.

Trifft beides auf einen Patienten nicht zu, reicht häufig eine sorgfältige Verlaufskontrolle aus. Die Mehrzahl kleiner, hormonell inaktiver Hypohysenadenome zeigt über die Jahre kein Wachstum, verursacht keine Beschwerden und muss nicht behandelt werden. Der Verlaufskontrolle dienen wiederholte Kernspintomographien der Hypophyse, um ein evtl vorhandenes Grössenwachstum zu erkennen. Bei Verlaufsstabilität können die Zeiträume zwischen den Untersuchungen immer weiter ausgedehnt werden.


Bei grösseren Adenomen, die in der Nähe der Sehnervenkreuzung liegen, kommt häufig auch eine augenärztliche Untersuchung, die Perimetrie zum Einsatz. Diese dient der frühen Feststellung von Ausfallserscheinungen durch Sehnerven-Kompression: Da der Druck auf die Sehnervenkreuzung zuerst im seitlichen Bereich des Gesichtsfeldes zu Ausfällen führt ("Scheuklappenblick"), bemerken die Betroffenen meist erst in sehr fortgeschrittenen Stadien, dass sich ihr Sehen verschlechtert hat. Mit der Perimetrie lassen sich Ausfälle im seitlichen Sichtbereich nachweisen, lange bevor sie den Patienten selber auffallen.

 

Lässt sich eine hormonelle Überproduktion durch das Hypophysenadenom nachweisen oder kommt es durch Druck auf die Sehnervenkreuzung zu Sehstörungen, so ist immer eine Therapie erforderlich. Für die meisten Hypophysenadenome ist eine neurochirurgische Tumorentfernung die beste Therapie. Der Eingriff kann meist durch die Nase erfolgen, so dass keine störenden Narben im Kopfbereich zurückbleiben. Die Operation ist heute eine Routineeingriff mit niedriger Komplikationsrate. Er sollte nur von qualifizierten Hypophysenchirurgen durchgeführt werden.

 

Eine Ausnahme bildet das sogennante Prolaktinom: Hierbei handelt es sich um ein Hypophysenadenom, welches das Hormon Prolaktin herstellt. Prolaktinome lassen sich mit einer medikamentösen Therapie meist einfach beherrschen und müssen deshalb fast nie operiert werden.

 

Auf den folgenden drei Seiten möchte ich Ihnen drei typische Krankheitsbilder, die durch die Überproduktion hypophysärer Hormone verursacht werden, gerne ausführlicher vorstellen: Dies sind der Morbus Cushing, die Akromegalie und das schon genannte Prolaktinom. 

Makroadenom der Hypophyse

Abbildung: Eine Kernspintomographie mit einem Makroadenom der Hypophyse. Dieses Adenom bildete selber keine Hormone, hatte aber durch Beeinträchtigung der gesunden Hypophyse zu einer mangelnden Produktion von Schilddrüsen- und Geschlechtshormonen geführt. Die anatomischen Strukturen sind auf dem Ausschnitt rechts farblich markiert: Das Hypophyenadenom (orange) wächst nach seitlich rechts in Richtung der Schlagader (rot) vor und hat sich auch nach oben in Richtung der Sehnerven (gelb) ausgedehnt.