Der Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse)

Der Hypophysenvorderlappen besteht aus hormonproduzierenden Drüsenzellen und wird deshalb auch als Adenohypophyse bezeichnet (abgeleitet aus dem griechischen: Adenos, die Drüse). Der Hypophysenvorderlappen produziert Steuerhormone, deren Aufgabe es ist, die Tätigkeit anderer hormonbildender Drüsen des Körpers anzuregen.  Jedes der hier produzierten Steuerhormone wirkt dabei ganz spezifisch auf eine bestimmte hormonbildende Drüse des Körpers und reguliert deren Tätigkeit. Auf diese Weise kontrolliert der Hypophysenvorderlappen viele der wichtigsten hormonellen Systeme des menschlichen Körpers.

 

Der Hypophysenvorderlappen steuert im einzelnen:

  • Die Produktion von Schilddrüsenhormon durch das Steuerhormon TSH.
  • Die Ausschüttung von Kortison in der Nebenniere durch das Steuerhormon ACTH.
  • Die Tätigkeit der männlichen und weiblichen Geschlechtsdrüsen (die Produktion von Testosteron bzw Östrogen und den weiblichen Zyklus) durch die beiden Steuerhormone LH und FSH.
  • Die Hypophyse produziert zudem das Wachstumshormon "(Growth Hormone", GH). Das Wachstumshormon ist für sich selbst nur schwach wirksam, regt in der Leber aber die Produktion eines weiteren Hormones (Insulin-like growth factor I, kurz: IGF-I) an. Das IGF-I ist es, welches für die Wirkungen des Wachstumshormones auf den menschlichen Körper im wesentlichen verantwortlich ist.
  • Das Hormon Prolaktin dient nur der Anregung der Milchproduktion der Brustdrüse in der Stillzeit, es hat sonst keine weiteren hormonellen Steuerfunktionen im menschlichen Körper.

 

Die Steuerhormone der Hypophyse und die durch diese kontrollierten Organe.

 

 

Abbildung: Die Grafik gibt eine Übersicht über die oben beschriebenen Steuerhormone der Hypophyse und die durch sie kontrollierten hormonellen Organe.

 

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Was passiert bei einer Störung der hypophysären Steuerhormone?

Alle von der Hypophyse gesteuerten hormonellen Drüsen sind auf eine Anregung durch das entsprechende Steuerhormon zwingend angewiesen, wenn sie normal funktionieren sollen. Kommt es bei einer Hypophysenerkrankung zu einem Mangel eines Steuerhormons, reduziert sich die Hormonproduktion des von ihm kontrollierten Organs. 

 

Ein Beispiel: Bei vollständigem Fehlen des Steuerhormons TSH, welches die Schilddrüse normalerweise anregt, stellt die Schilddrüse die Produktion von Schilddrüsenhormon ein - es resultiert eine Schilddrüsenunterfunktion. Die Schilddrüse ist dabei aber selber gar nicht erkrankt, es fehlt ihr nur der durch das TSH vermittelte Befehl der Hypophyse, Hormone zu produzieren. Eine Störung der Hypophysenfunktion, die zu einer unzureichenden Anregung einer durch sie kontrollierten hormonellen Drüse führt, nennt man Hypophyseninsuffizienz (oder, genauer: Hypophysenvorderlappeninsuffizienz).


Kommt es bei einer Hypophysenerkrankung hingegen zu einem Überschuss eines Steuerhormons, hat dies den umgekehrten Effekt: Die von dem überschüssigen Steuerhormon kontrollierte Drüse wird zu einer Überaktivität angeregt.  So kommt es, um beim obigen Beispiel zu bleiben,  bei einer Überproduktion von TSH zu einer übersteigerten Hormonausschüttung der Schilddrüse - es resultiert eine Schilddrüsenüberfunktion. Auch in diesem Fall ist die Schilddrüse dabei selber völlig gesund, sie folgt einfach nur dem falschen Befehl zu vermehrter Hormonproduktion, der ihr durch das gesteigerte TSH vermittelt wird.

Die Steuerung des Hypophysenvorderlappens durch den Hypothalamus

Die Hypophyse selber wird wiederum von einer weiteren, übergeordneten Struktur des Gehirns gesteuert und kontrolliert: Dem Hypothalamus. Der Hypothalamus sendet dazu sogenannte Releasing-Hormone aus, die die verschiedenen hormonellen Funktionen der Hypophyse anregen. Jedes der Steuerhormone der Hypophyse wird dabei von einem speziellen Releasing-Hormon des Hypothalamus kontrolliert: Die TSH-Produktion der Hypophyse wird durch das Hormon TRH angeregt, die ACTH-Produktion durch das Releasing-Hormon CRH, die Produktion von LH und FSH durch das Hormon GnRH und die Wachstumshormon (GH)-Produktion durch das GHRH.

 

Eine Erkrankung im Bereich des Hypothalamus kann zu einer mangelnden Produktion von Releasing-Hormonen führen. Dies bewirkt in der Folge dann eine verminderte Tätigkeit der Hypophyse aufgrund der mangelhaften Anregung, letztlich kann daraus ein Hormonmangel resultieren.

 

Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die hypothalamischen Releasing-Hormone.

Die Steuerung der Hypophyse durch Releasing-Hormone des Hypothalamus
Anregung der Hypophyse (orange) durch den Hypothalamus (blau)

 

Abbildung: Die Hypophyse wird selber von einem übergeordneten Steuerzentrum des Gehirns, dem Hypothalamus, gesteuert. Der Hypothalamus sendet dazu sog. "Releasing-Hormone" aus. Für jedes Steuerhormon der Hypophyse gibt es ein anregendes Releasing-Hormon des Hypothalamus, welches die Höhe der Produktion reguliert. Eine Ausnahme macht nur das Prolaktin, für welches es kein anregendes Releasing-Hormon gibt.

 

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