Prolaktinom

Hypophysenadenome, die Prolaktin produzieren, gehören zu den häufigsten hormonell aktiven Geschwulsten der Hypophyse. Sie werden Prolaktinome genannt.

 

Wie oben beschrieben wurde, hat das Hormon Prolaktin im menschlichen Körper normalerweise nur eine wesentliche Funktion: Die Anregung der Milchproduktion der Brustdrüse. In der Stillzeit lassen sich dementsprechend sehr hohe Mengen von Prolaktin nachweisen. Wenn der Prolaktinspiegel im Blut hoch ist, kommt noch eine zweite, schwächere Wirkung des Prolaktins zum Tragen: Es hat einen hemmenden Einfluss auf die Ausschüttung der hypophysären Hormone LH und FSH. die für die normale Funktion des Eierstocks bzw des Hodens verantwortlich sind. Da ohne ausreichende Anregung durch LH  und FSH die Eierstöcke weniger Östrogen bzw die Hoden weniger Testosteron produzieren, führen hohe Prolaktinspiegel zu einer nachlassenden Produktion von Geschlechtshormonproduktion. Auf dieser Hemmung der Geschlechtshormonproduktion durch das Prolaktin beruht auch die Tatsache, dass stillende Frauen nach der Schwangerschaft weniger schnell wieder schwanger werden, als Frauen, die nicht stillen (auch wenn das Stillen trotzdem keine sichere Methode der Empfängnisverhütung darstellt!).

 

Beim Prolaktinom besteht eine andauernde, starke Erhöhung des Prolaktinwertes. Während das Prolaktin selber auf den Körper keine nachteiligen Wirkungen ausübt, führt die oben beschriebene Hemmung von LH und FSH zu einem ausgeprägten Mangel an Geschlechtshormonen, einem Hypogonadismus. Bei Frauen äusserst sich dies in einer ausbleibenden Periodenblutung, Amenorrhoe, bei Männern in sexueller Inappetenz (Libidoverlust) und Impotenz. Da Frauen aufgrund der ausbleibenden Periodenblutung früher ärztliche Hilfe suchen, wird bei Ihnen die Diagnose eine Prolaktinoms meist deutlich früher gestellt als bei Männern. Diese interpretieren die Testosteronmangelerscheinungen nicht selten als "normale Alterungserscheinung" oder "berufliche Überlastung". Bei beiden Geschlechtern kann es auch zum Auftreten einer Milchsekretion der Brust kommen, was als Galaktorrhoe bezeichnet wird.

Diagnose des Prolaktinoms

Wenn der Prolaktinwert erhöht ist, beweist dies noch nicht, dass ein Prolaktinom vorliegen muss. Viele andere Ursachen können zu einer Erhöhung des Prolaktinspiegels führen, insbesondere auch viele Medikamente. Eine Übersicht gibt die folgende Tabelle.

Ursachen einer Prolaktinerhöhung (Hyperprolaktinämie)
Medikamente (Auswahl): Verschiedene Antidepressiva und Antipsychotika,
Metoclopramid, Verapamil, Codein, Morphin
Angst, Schmerz
Hypothyreose 
Nierenfunktionsschwäche (Niereninsuffizienz)
Prolaktinom
Andere Erkrankungen des Hypothalamus und/oder der Hypophyse
 Schwangerschaft, Stillzeit
Idiopathisch (= ohne erkennbare Ursache) 

Während beim gesunden Menschen die Prolaktinwerte meist < 20ng/ml liegen, sind sie beim Prolaktinom in der Regel stark erhöht, häufig auf Werte > 200ng/ml. Liegt eine deutliche, bleibende Prolaktinerhöhung vor und sind die oben genannten, anderen Ursachen ausgeschlossen, ist eine Bildgebung der Hypophyse mittels Kernspintomographie in der Regel der nächste Schritt der Abklärung. Lässt sich in der Kernspintomographie der Hypophyse eine adenomverdächtige Raumforderung nachweisen, so ist damit die Diagnose bei stark erhöhten Prolaktinwerten (> 200ng/ml) in der Regel bestätigt.

Klassifikation

Die Kernspintomographie der Hypophyse zeigt die Grösse des Adenoms an. Wie alle anderen Hypophysenadenome werden auch die Prolaktinome ihrer Grösse entsprechend in Mikro- und Makro-Prolaktinome unterteilt. Dies spielt eine wichtige Rolle auch bei der Therapieplanung.

 

  • Mikroprolaktinome sind weniger als 1cm gross. Sie zeigen in der Regel auch ohne Therapie keine Wachstumstendenz.
  • Makroprolaktinome sind solche von über 1cm Durchmesser. Sie wachsen meistens in der Verlaufsbeobachtung und sollten deshalb immer therapiert werden.

Therapie

Prolaktinome sind die einzigen hormonell aktiven Hypophysenadenome, die in der Regel nicht operiert werden müssen: Sie sprechen in über 90% der Fälle sehr gut auf eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Dopaminagonisten (z.B. Cabergolin) an. Unter dieser Therapie können sich auch sehr grosse Prolaktinome mit der Zeit vollständig zurückbilden. Nur wenn ein Prolaktinom nicht auf die Medikation anspricht, muss es operativ entfernt oder bestrahlt werden, was eher selten der Fall ist.

 

Eine Besonderheit besteht, wenn bei einer Frau nach den Wechseljahren ein Mikroprolaktinom festgestellt wird: Da Mikroprolaktinome in der Regel nicht weiter wachsen und die Hemmung der Geschlechtshormonproduktion bei einer Frau nach den Wechseljahren nicht mehr ins Gewicht fällt, kann in diesem Fall auch eine reine Verlaufskontrolle, ganz ohne aktive Therapie, vereinbart werden.