Die Hormone der Nebenniere

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen die Hormone der Nebenniere im Detail vorstellen. Dies sind:

  • Aus dem äusseren Anteil der Nebenniere, der Nebennierenrinde, die Steroidhormone Kortison, Aldosteron und DHEAS (Dehydroepiandrosteronsulfat)
  • Aus dem inneren Anteil der Nebenniere, dem Nebennnierenmark, die Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin).

Kortison

Kortison wird in der Nebennierenrinde produziert und ist, neben dem Schilddrüsenhormon, eines der beiden lebensnotwendigen Hormone des menschlichen Körpers. Die meisten Menschen kennen das Kortison nur als Medikament und sind überrascht zu hören, dass es auch im Körper selber gebildet wird.

 

Kortison hat vielfältige Funktionen im menschlichen Organismus: Es reguliert die Tätigkeit unseres Immunsystems, hat Einflüsse auf den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten, auf die Psyche, die Blutbildung und viele andere Körpersysteme. Es ist vor allem aber auch ein Stresshormon, dessen Ausschüttung bei körperlichen oder psychischen Belastungssituationen stark gesteigert wird. Diese Steigerung der Kortisonproduktion in Belastungssituationen ist extrem wichtig. Kann der Körper wegen einer Erkrankung der Nebenniere die Kortisonproduktion in Belastungssituationen nicht steigern, kann ein Stressreiz (z.B. eine fieberhafte Erkrankung oder eine Operation) zu lebensbedrohlichen Krisen führen.

 

Die Höhe des Kortisonspiegels im Blut beeinflusst entscheidend unsere Leistungsfähigkeit. Die Kortisonausschüttung zeigt eine starke Tageszeitabhängigkeit: Morgens gegen 8.00 Uhr ist die Blutkonzentration am höchsten, fällt dann über den Tag immer weiter ab um dann in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages wieder anzusteigen. Die folgende Grafik zeigt Ihnen den typischen Verlauf der Kortisonproduktion über den Tag.

Der Kortisonspiege zeigt eine starke Tagesrhythmik und ist in den Morgenstunden am höchsten
Abbildung: Der Kortisonspiegel zeigt eine starke Tagesrhythmik und ist in den Morgenstunden am höchsten

Die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers folgt dieser Kurve und ist am frühen Morgen, wenn ein Maximum an Kortison produziert wird, am höchsten. Der gezeigte Rhythmus der Kortisonproduktion wird durch die Sonne gesteuert, nicht durch die Lebensgewohnheiten eines Menschen. Auch bei Menschen mit regelmässiger Nachtarbeit verschiebt sich deshalb die Kurve nicht, das Maximum der Kortisonproduktion findet unverändert gegen 8.00 Uhr morgens statt. Bei Reisen in andere Zeitzone, mit entsprechend anderem Rhytmus von Sonnenauf- und untergang, passt sich die Kortisonproduktion aber dem neuen Tagesrhythmus an.

 

Die Regulation der Kortisonproduktion steht unter Kontrolle der Hypophyse. Diese regt durch Auschüttung ihres Steuerhormons ACTH die Nebenniere zur Kortisonproduktion an. Fehlt es an ACTH, z.B. durch eine Erkrankung der Hypophyse, produziert die Nebenniere zu wenig Kortison, was zu gefährlichen Mangelzuständen führen kann. Umgekehrt kann eine gesteigerte Produktion von ACTH dazu führen, dass die Nebenniere unkontrolliert überhöhte Mengen an Kortison ausschüttet. Mehr über die Hypophyse und die Steuerung der Nebenniere erfahren sie hier.

 

Typische Störungen der Kortisonproduktion sind das Cushing-Syndrom und der Morbus Addison.

Aldosteron

Auch das Aldosteron ist ein Hormon der Nebennierenrinde. Die Funktion des Aldosteron besteht in der Aufrechterhaltung eines ausreichenden Flüssigkeitsvolumens des Körpers. Diese Aufgabe erfüllt das Aldosteron, indem es Salz, in Form des Elektrolyts Natrium, im Körper zurückhält: Denn Wasser kann nicht ohne eine ausreichende Menge Salz im menschlichen Körper gebunden werden.


Um die Menge des verfügbaren Salzes im Körper zu erhöhen, wirkt das Aldosteron auf die Niere, in der es die Ausscheidung von Natrium über den Urin drosselt. Wenn durch diese Wirkung des Aldosterons die Menge an Natrium im Körper ansteigt, kann auch mehr Wasser im Körper zurückgehalten werden, das Flüssigkeitvolumen des Körpers steigt an. Dieser Mechanismus ist von grosser Bedeutung, um einen normalen Füllstand in unseren Gefässen und damit einen normalen Blutdruck aufrecht zu erhalten.

 

Die Regulation der Aldosteronproduktion steht, anders als die des Kortisons, nicht unter der Kontrolle der Hypophyse. Die Menge des gebildeten Aldosteron wird durch den juxtaglomerulären Apparat der Niere reguliert. Bei diesem handelt es sich, stark vereinfacht gesagt, um einen Blutdruck-Sensor. Fällt der Blutdruck ab, wird aus dem juxtaglomerulären Apparat der Niere der Stoff Renin freigesetzt. Das Renin bewirkt - über eine komplizierte Kaskade von Reaktionen - schliesslich eine vermehrte Freisetzung von Aldosteron aus der Nebenniere. Durch das Aldosteron nimmt die Flüssigkeitsmenge im Körper wieder zu, der Blutdruck steigt an und die Renin-Freisetzung sinkt wieder ab: Die Regelkreis ist geschlossen.

Zu den Störungen der Aldosteronproduktion gehören das Conn-Syndrom und der Morbus Addison.

DHEAS

Das DHEAS (mit vollem Namen: Dehydroepiandrosteron-Sulfat) ist ein Hormon von vergleichsweise untergeordneter Bedeutung. Es ist ein niederpotentes Androgen, also ein schwach wirksames männliches Geschlechtshormon. Es steht, ebenso wie das Kortison, unter der Steuerung des Hypophysenhormons ACTH.
 
Selbst ein vollständiges Fehlen des DHEAS löst - anders als ein Mangel an Kortison oder Aldosteron - keine kritische Erkrankung aus. Bei starkem DHEAS-Mangel kann es, eher bei Frauen, zu leichten Einbussen im Bereich des allgemeinen Wohlbefindens und der sexuellen Funktion kommen. Eine Ersatztherapie mit DHEAS macht aus endokrinologischer Perspektive aber nur bei Patienten mit vollständig fehlender Nebennierenfunktion Sinn, denn nur bei diesen kann es zu einer leichten Steigerung des Wohlbefindens beitragen. Eine grundsätzliche Gabe von DHEAS bei älteren Menschen als "Anti-Aging-Hormon" wird zwar teils immer noch propagiert, hat in Studien aber nicht die versprochene Wirksamkeit gezeigt.

Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin)

Die Katecholamine sind Hormone des Nebennierenmarkes. Da das Nebennierenmark ein eigenständiges, von der Nebennierenrinde ganz unabhängiges hormonelles Organ darstellt, unterscheiden sich die Katecholamine auch in ihrer Struktur grundsätzlich von den Steroidhormonen der Nebennierenrinde.


Die Regulation der Aktivität des Nebennierenmarks erfolgt direkt über unser Gehirn: Wie oben beschrieben, ist das Nebennierenmark ein Bestandteil unseres sympathischen Nervensystems, also ein Teil des von uns nicht bewusst kontrollierbaren Nervensystems, welches viele unserer Körperfunktionen steuert.


Die Funktion der Katecholamine spüren wir, wenn wir uns erschrecken: Unser Herz schlägt schneller und wir werden bleich, beides Reaktionen, die durch das bei Angst ausgeschüttete Adrenalin ausgelöst werden. Die Katecholamine stellen unseren Körper auf Flucht ein: Blutdruck und Herzfrequenz steigen, Blut wird bevorzugt in Richtung der Muskulatur geleitet, Energiereserven werden mobilisiert.


Die wichtigste Störung der Katecholaminproduktion ist das Phäochromozytom, ein meist gutartiger, hormonproduzierender Tumor, der sich vor allem im Nebennierenmark findet.