Hyperparathyreoidismus: Nebenschilddrüsen-Überfunktion

Wird in der Blutuntersuchung eine erhöhte Menge von Parathormon festgestellt, bezeichnet man dies als Nebenschilddrüsenüberfunktion, oder auch als Hyperparathyreoidismus. Je nachdem, ob die erhöhte Produktion von Parathormon durch eine wirkliche Erkrankung der Nebenschilddrüsen selber bedingt ist oder aber nur eine normale Reaktion der Nebenschilddrüsen auf ein Problem darstellt, das anderswo im Körper besteht, redet man von einem Primären Hyperparathyreodismus oder von einem Sekundären Hyperparathyreoidismus.

Primärer Hyperparathyreoidismus

Beim primären Hyperparathyreoidismus kommt es meist durch ein gutartiges, hormonbildendes Geschwulst (Nebenschilddrüsenadenom) einer der Nebenschilddrüsen zu einer unkontrollierten Überproduktion von Parathormon. In selteneren Fällen ist nicht nur eine Nebenschilddrüse betroffen, sondern alle Drüsen sind vergrössert, ein Zustand, der als Nebenschilddrüsen-Hyperplasie bezeichnet wird. Die Erkrankung tritt eher im mittleren bis höheren Lebensalter auf.


Die ständig erhöhte Menge von Kalzium im Blut kann eine Vielzahl von Symptomen und Folgen hervorrufen:

  • Viele Patienten klagen über allgemeine Schwäche und Müdigkeit.
  • Dadurch, dass ständig Kalzium aus dem Knochen mobilisiert wird, kann es zu einem Knochenschwund, einer Osteoporose kommen.
  • Die Niere kann durch das erhöhte Blutkalzium geschädigt werden, so dass die Nierenfunktion nachlässt: Eine Niereninsuffizienz kann resultieren.
  • Viele Patienten klagen über vemehrten Durst und vermehrtes Wasserlassen. Auch hierbei ist die Niere der Grund, denn sie kann bei hohem Blutkalzium den Urin nicht mehr richtig konzentrieren und scheidet zu viel Wasser mit dem Urin aus.
  • Auch psychiatrische Folgen sind nicht selten. Nicht wenige Patienten klagen über Depressionen. Bei hohem Kalzium kann es zu Verwirrtheitszuständen und Delirium kommen.

Die Diagnose des primären Hyperparathyreoidismus ist meist einfach zu stellen und ergibt sich aus dem Nachweis eines erhöhten Blutkalziums bei erhöhtem oder hochnormalen Parathormonwerten.

 

Ob eine Therapie eines primären Hyperparathyreoidismus notwendig ist, hängt vom Schweregrad der Störung ab und davon, ob der Patient unter einer der oben genannten Folgeerscheinungen leidet. Liegt eine der oben genannten Folgeerscheinungen vor, sollte die Erkrankung in der Regel saniert werden. Bei älteren Menschen, fehlenden Symptomen und nur leicht veränderten Werten kann auch eine abwartende Strategie mit regelmässigen Kontrollen verfolgt werden. Die Diagnose besteht aus der chirurgischen Entfernung der vergrösserten Nebenschilddrüse, einem kleinen Eingriff.

 

Zur Lokalisation eines Nebenschilddrüsenadenoms können vor der Operation eine Sonographie, eine Kernspintomographie oder eine Szintigraphie durchgeführt werden. Lässt sich so sichern, welche der vier Nebenschilddrüse die Ursache der Erkrankung ist, kann sie bei der Operation gezielt entfernt werden. Lässt sich die Lage des Adenoms vor der Operation nicht nachweisen, werden durch den Chirurgen während der Operation alle vier Nebenschilddrüsen untersucht und die vergrösserte Drüse entfernt.

Nebenschilddrüsen-Szintigramm (MIBI-Scan)
Abbildung: Zur Lokalisation eines Nebenschilddrüsen-Adenoms kann eine MIBI-Szintigraphie eingesetzt werden. Hier Nachweis einer vermehrten Aktivität im Bereich der rechten oberen Nebenschilddrüse

Sekundärer Hyperparathyreodismus

Die Feststellung einer erhöhten Menge von Parathormon in der Blutuntersuchung bedeutet nicht automatisch, dass die Nebenschilddrüsen erkrankt sein müssen. Häufiger ist das vermehrt gebildete Parathormon nämlich nur eine normale Reaktion der Nebenschilddrüsen auf einen drohenden Blutkalzium-Mangel. Dies wird als sekundärer Hyperparathyreoidismus bezeichnet. Die Nebenschilddrüsen haben in diesem Falle nur ihre Aufgabe erfüllt und den Körper durch die vermehrte Parathormonproduktion vor einem Absinken des Blutkalziumspiegels bewahrt. Bei einem sekundären Hyperparathyreoidismus muss nach der Ursache des Kalziummangels gefahndet und diese Ursache beseitigt werden. Ist dies geschehen, dann normalisiert sich aus das Parathormon wieder.

 

Eine der häufigsten Ursachen für einen sekundären Hyperparathyreodismus ist der Vitamin D-Mangel: Fehlt es an Vitamin D kommt es zu einer verminderten Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und damit zu einem Kalziummangel im Körper. Die Nebenschilddrüsen versuchen, dies durch eine erhöhte Produktion von Parathormon auszugleichen: Durch das erhöhte Parathormon wird Kalzium aus dem Knochen freigesetzt, was den Blutkalziumspiegel im Normbereich hält. Ersetzt man bei den Betroffenen das fehlende Vitamin D, wird wieder mehr Kalzium aus dem Darm aufgenommen und damit normalisiert sich auch das Parathormon wieder, da die Ursache des Hyperparathyreoidismus nun beseitigt ist.

 

 

Die Unterscheidung zwischen primärem und sekundärem Hyperparathyreoidismus ist in der Regel recht einfach: Beim sekundären Hyperparathyreoidismus ist das Blutkalzium meist eher niedrig, beim primären Hyperparathyreoidismus in der Regel erhöht. Ergänzend lohnt es sich auch immer, den Vitamin D-Spiegel zu messen, da dieser häufig die Ursache der Problematik beim sekundären Hyperparathyreoidismus ist.