Diagnostik der Osteoporose

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen nun zeigen, wie die Diagnose einer Osteoporose gestellt wird. Wir stellen Ihnen dazu zunächst die Techniken der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) vor. Wir zeigen Ihnen aber auch, wie die Messergebnisse interpretiert werden und, "last not least", wer eine solche Messung durchführen lassen sollte.

Die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie): Verfahren

Zur Bestimmung der Knochendichte und Abschätzung des Risikos für Knochenbrüche stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Zwei verbreitete Techniken sind:

  • Die DEXA-Messung (Dual Energy X-Ray Absorption), das wichtigste Messverfahren zur Beurteilung der Knochendichte. Bei dieser Methode wird der Knochen mit Röntgenstrahlen zweier verschiedener Wellenlängen durchstrahlt und dann bestimmt, wieviel Strahlung durch den Knochen ausgelöscht wird. Je dichter der Knochen ist, desto weniger Strahlung kann durch ihn hindurchdringen. Gemessen wird in der Regel an der Lendenwirbelsäule und am oberen Oberschenkel (proximaler Femur). Die Methode hat eine äusserst niedrige Strahlenbelastung und kurze Messdauer. Sie ist die von der Weltgesundheitsorganisation WHO und führenden Fachgesellschaften empfohlene Messmethode.
    Ein Nachteil der Dexa-Messung ist, dass bei ihr nicht nur der Knochen isoliert gemessen werden kann: Andere Strukturen, die auf dem Weg der Strahlung durch den Körper liegen und die Röntgenstrahlung abschwächen, können die Messung verfälschen.
  • Auch die Quantitative Computertomographie (qCT) bedient sich der Auslöschung von Strahlung durch den Knochen, um die Knochendichte zu messen. Sie wird mithilfe eines CT-Gerätes durchgeführt, wie es heute in fast jeder radiologischen Praxis verfügbar ist. Vorteil der quantitativen Computertomographie ist es, dass überlagerungsfreie Messungen möglich sind, ohne dass Verfälschungen durch andere Strukturen, die im Strahlengang liegen, auftreten. Die Strahlenbelastung ist höher als bei der Dexa-Messung.

Obwohl die qCT-Messung durchaus Vorteile gegenüber dem DEXA-Scan aufweist, wird sie dennoch nicht als erste diagnostische Methode empfohlen. Warum ist das so? In den meisten wissenschaftlichen Studien, die sich mit der Osteoporose und ihrer Therapie befasst haben, wurden Patienten untersucht, bei denen die Diagnose einer Osteoporose mittels einer DEXA-Messung gestellt wurden. Stellen wir bei einem Patienten in einer DEXA-Messung also eine Osteoporose fest, so haben wir umfangreiche Erkenntnisse dazu, welches Risiko für Knochenbrüche dieser Patient hat und wie das Ansprechen auf die Therapie wahrscheinlich sein wird. Inwieweit diese Erkenntnisse hingegen auf Patienten mit niedriger Knochendichte in der qCT-Messung übertragbar sind, wissen wir nicht genau. Dies liegt daran, dass DEXA – und qCT-Messungen unterschiedliche Resultate liefern können: So kann ein Patient beispielsweise im qCT eine Osteoporose aufweisen, während in der DEXA-Messung eine nur leicht erniedrigte Knochendichte besteht. Da sich die Untersuchungsergebnisse der beiden Methoden also nur eingeschränkt vergleichen lassen und uns derzeit mehr Erkenntnisse zur DEXA-Messung vorliegen, bleibt letztere die bevorzugte und empfohlene Messmethode.   
Messmethoden, bei denen mittels Ultraschallverfahren durch Messung z.B. am Fersenknochen die Knochendichte bestimmt wird, haben derzeit noch keinen festen Platz in der Diagnostik der Osteoporose.

Die Interpretation der Messergebnisse: T-Score und Z-Score

Die Messung der Knochendichte mittels der DEXA-Messung liefert zunächst einen Wert, der als  BMD (Bone Mineral Density) bezeichnet wird. Je höher dieser BMD-Wert liegt, desto höher ist die Dichte des Knochens. Der BMD-Wert lässt sich aber für sich alleine nicht interpretieren: Er muss immer in Bezug auf das Alter, das Geschlecht und die ethnische Abstammung eines Patienten gesehen werden. Dafür besitzt das Messgerät eine Datenbank , die es erlaubt, die bei einem Patienten erhobenen Werte mit dem Durchschnitt anderer Menschen zu vergleichen.  Aus diesem Vergleich errechnen sich dann letztlich die beiden Werte, die für die Beurteilung der Situtation entscheidend sind: Der T-Wert und der Z-Wert.

 

Mit dem T-Wert (engl.: T-Score) wird festgelegt, ob eine Osteoporose besteht oder nicht. Der T-Wert ist das entscheidende diagnostische Kriterium für die Osteoporose!


Zur Errechnung des T-Wertes wird der bei einem Patienten gemessene Knochendichtewert (die Bone Mineral Density, s.o.) mit derjenigen verglichen, die bei anderen Menschen gleichen Geschlechts und gleicher Hautfarbe um das 30. Lebensjahr, zum Zeitpunkt der maximalen Knochendichte, durchschnittlich besteht. Es wird also die reale Knochendichte des Patienten mit der idealen verglichen, wie sie bei Menschen gleichen Geschlechts und gleicher Hautfarbe im jungen Erwachsenenalter vorliegt.

 

Das Ergebnis wird wie folgt interpretiert:

  • Ein T-Wert von 0.0 bedeutet, dass die beim Patienten gemessene Knochendichte genau derjenigen eines durchschnittlichen 30jährigen Menschen gleichen Geschlechts und gleicher Hautfarbe entspricht.
  • Je weiter unter Null der T-Wert liegt, desto geringer ist die Knochendichte im Vergleich zum 30jährigen Menschen. Sinkt der T-Wert auf weniger als -1, so liegt eine Osteopenie, eine „Knochenarmut“, vor.
  • Bei T-Werten von weniger als -2.5 besteht eine Osteoporose.

Der T-Wert ist ein etwas unfairer Vergleich, denn die Patienten, bei denen die Messung durchgeführt wird, sind ja in der Regel deutlich älter als 30 Jahre und die Knochenalterung ist bei ihnen naturgemäss schon weiter fortgeschritten. Um auch einen Vergleich zu einem gleichaltrigen Menschen zu ermöglichen, wird deshalb ergänzend der Z-Wert angegeben.

 

Der Z-Wert (engl. Z-Score) vergleicht die Knochendichte des Patienten mit derjenigen, die bei anderen Menschen gleichen Lebensalters durchschnittlich besteht:

  • Ein Z-Wert von 0.0 bedeutet, dass die Knochendichte dem Durchschnitt gleichaltriger Menschen entspricht.
  • Ein Wert unter 0.0 entspricht einer unterdurchschnittlichen, ein Wert oberhalb von 0.0 einer überdurchschnittlichen Knochendichte.

Der Z-Wert hilft somit zu beurteilen, ob eine niedriger Knochendichte-Messwert Ausdruck der normalen Knochenalterung ist und bei anderen Menschen gleichen Lebensalters genauso beobachtet wird, oder ob ein über die normale Knochenalterung hinausgehender Verlust an Knochenmasse besteht.

Beispiel für die Auswertung eine Osteodensitometrie.

Abschliessend hier noch ein Beispiel für einen typischen Befundausdruck eines Dexa-Scans, wie Sie ihn vielleicht selber schon in der Hand hatten. Unten sehen Sie, wie Sie diesen Befund interpretieren können.

Beispiel für einen Osteodensitometrie-Befund
Abbildung: Befundbericht einer Osteodensitometrie. Erläuterung: Siehe Haupttext.

Zur Erläuterung:

  • Im gelben Feld ganz oben sind die Basisdaten des Patienten verzeichnet. Vor allem Geschlecht, Hautfarbe und Lebensalter sind sehr wichtige Informationen: Denn zur Bestimmung des diagnostisch entscheidenden T-Wertes werden die Ergebnisse der Messung ja mit den Normwerten junger Menschen gleichen Geschlechts und gleicher Hautfarbe verglichen. Bei der Ermittlung des Z-Wertes werden zudem die Normwerte anderer Menschen gleichen Lebensalters zum Vergleich herangezogen, weshalb auch das Lebensalter richtig erfasst sein muss. Wenn diese Infomationen nicht korrekt sind, kann die Messung nicht ausgewertet werden!
  • Das Röntgenbild in der oberen linken Ecke dient der Sicherstellung, dass der Computer die Messpunkte korrekt erfasst hat. Es hat sonst keine diagnostischen Aussage.
  • Im gelben Feld in der Bildmitte findet sich die eigentliche Auswertung der Messung: Blau umkreist der Wert der gemessenen Knochendichte, die"Bone Mineral Density".  Dieser Wert muss aber nun noch interpretiert werden, indem das Messgerät sie mit einer eingebauten Datenbank von Normwerten vergleicht. Das Ergebnis findet sich daneben, rot umkreist: Zum einen der T-Wert (der Vergleich mit jungen Erwachsenen) und der Z-Wert (der Vergleich mit gleichaltrigen Menschen).
  • Unten links, orange eingekreist, findet sich noch eine Grafik, die den Z-Wert darstellt: Ein Z-Resultat im hellblauen Bereich oder darüber bedeutet, dass die gemessene Knochendichte höher ist als beim Durchschnitt gleichaltriger Menschen.  Ein Resultat im dunkelblauen Bereich oder darunter signalisiert eine unterdurchschnittlie Knochendichte im Vergleich zu Gleichaltrigen. Genau zwischen dem hellblauen und dunkelblauen Bereichen liegt der Durchschnitt der gleichaltrigen Menschen.

Beurteilung dieses Befundes: In diesem Beispiel wurde eine Messung des Oberschenkelhalses durchgeführt. Es findet sich ein T-Wert von -1.8, also eine Osteopenie, eine Osteoporose liegt noch nicht vor. Der Z-Wert liegt bei -0.8, also etwas niedriger als beim Durchschnitt gleichaltriger Menschen. Dies ist in der Grafik unten links zusätzlich dargestellt: Der Messpunkt liegt im dunkelblauen Bereich, also im Bereich unterhalb des Durchschnitts.