Was ist Osteoporose?

Nachdem wir auf den vorhergehenden Seiten gelernt haben, wie der normale, gesunde Knochen aufgebaut ist und wie er entsprechend seiner Belastung immer wieder umgebaut wird, können wir uns nun, darauf aufbauend, mit den Problemen des erkrankten Knochens beschäftigen.
Auf der nun folgenden Seite wollen wir besprechen, wie die Osteoporose definiert wird, welche Menschen besonders von ihr betroffen sind und wie sich die Erkrankung für sie äussert.

Definition der Osteoporose

Wie häufig in der Medizin besteht unter den Fachleuten keine einhundertprozentige Einigkeit, wie die Erkrankung Osteoporose am besten definiert werden sollte. Eine weit verbreitete und akzeptierte Definition ist aber die folgende:
 
"Die Osteoporose ist eine Störung des Knochenaufbaus, die durch eine verminderte Knochenmasse und gestörte Struktur (Mikroarchitektur) des Knochens gekennzeichnet ist. Die Erkrankung vermindert die Stabilität des Knochens und führt damit zu einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Knochenbrüchen."


Nach dieser Definition besteht bei der Osteoporose also eine sowohl quantitative wie auch qualitative Störung des Knochenaufbaus:

 

  • Die Verminderung der Knochenmasse ist eine quantitative Veränderung, die sich am Knochen in Form einer dünneren Kompaktaschicht und einer Verminderung der Anzahl von Knochenbälkchen in der Spongiosa bemerkbar macht (eine Grafik dazu finden Sie auf der vorhergehenden Seite unter "Was bestimmt die Stabilität unseres Knochens?"). Die verminderte Knochenmasse lässt sich durch eine Messung der Knochendichte recht einfach feststellen und auch im Verlauf gut kontrollieren.
  • Die Störung der Mikroarchitektur, also der Feinstruktur des Knochens, ist hingegen eine rein qualitative Veränderung: Durch eine ungünstige Anordnung der Spongiosabälkchen nimmt das Bruchrisiko der Knochen zu, ohne dass die Menge an Knochengewebe verändert sein muss. Da nur die Qualität, nicht aber die Quantität des Knochens verändert ist, lässt sich die Störung der Mikroarchitektur nicht durch eine Knochendichtemessung erfassen.

Da die Störung der Mikroarchitektur der Diagnostik in der Arztpraxis nicht zugänglich ist, verzichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrer Definition der Erkrankung Osteoporose ganz auf ihre Erwähnung: Nach der WHO bedeutet Osteoporose einzig und allein, dass die apparativ gemessene Knochendichte unterhalb eines bestimmten Grenzwertes liegt.

 

Mehr über die Knochendichtemessung und die dabei geltenden Grenzwerte erfahren Sie auf der Seite "Diagnostik der Osteoporose".

Wer ist von Osteoporose betroffen?

Von der Osteoporose am stärksten betroffen sind Frauen nach den Wechseljahren. Man schätzt, dass 7% von Frauen im Alter über 55 Jahre unter einer Osteoporose leiden. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Wahrscheinlichkeit, unter einer Osteoporose zu leiden, weiter zu: Im Alter von über 80 Jahren sind es rund 19% von Frauen, die eine Osteoporose aufweisen.

Männer sind weniger häufig und meist auch erst später von der Osteoporose betroffen als Frauen. Bei Vorliegen entsprechender Risikofaktoren oder genetischer Veranlagung kann eine Osteoporose aber auch beim Mann in jedem Lebensalter auftreten.

Die Osteoporose betrifft auch eine Vielzahl von Menschen, die unter Erkrankungen leiden, die zu einer Schwächung des Knochens führen oder die mit Medikamente behandelt werden, die eine Osteoporose auslösen können. Mehr dazu lesen Sie auf der folgenden Seite "Ursachen der Osteoporose".

Symptome der Osteoporose

Das wichtigste Symptom der Osteoporose ist der Knochenbruch, die Fraktur, und die damit verbundenen Schmerzen. Solange es noch nicht zu einem Knochenbruch gekommen ist, macht die Osteoporose hingegen keinerlei Beschwerden. Es gibt damit auch keine Früh- oder Warnzeichen, die auf das Vorliegen der Erkrankung hindeuten würden, bevor es zum Auftreten einer Fraktur kommt. Ist es bereits zum Auftreten eines osteoporosetypischen Bruches gekommen, bezeichnen wir die Erkrankung als manifeste Osteoporose.

 

Typisch für osteoporotische Knochenbrüche ist es, dass sie bereits bei geringer Gewalteinwirkung oder sogar ganz ohne auslösendes Trauma auftreten:

  • So kann es vor allem im Bereich der Wirbelsäule schon bei Alltagsbewegungen zum Auftreten von Knochenbrüchen kommen. Einen solchen Knochenbruch ohne klaren Auslöser bezeichnet man als Spontanfraktur.
  • Bricht ein Knochen nach einer leichten Belastung, zum Beispiel nach einem leichten Sturz, redet man von einer Fraktur bei inadäquatem Trauma. In diesem Fall ist es zwar zu einer Gewalteinwirkung gekommen, doch hätte diese bei einem gesunden Knochen nicht zu einem Bruch geführt.

Von einer Osteoporose können alle Knochen des Körpers betroffen sein. Osteoporotische Frakturen sehen wir aber besonders häufig an drei Knochenregionen des Körpers:

  • Der häufigste Knochenbruch bei Osteoporose ist die Fraktur eines Wirbelkörpers der Wirbelsäule. Das typische Symptom dabei ist ein plötzlich auftretender, häufig auch intensiver Rückenchmerz nach einem Bagatelltrauma oder nach eine Alltagsbewegung. Die meisten Wirbelkörperfrakturen verlaufen aber „silent“,  also schmerzfrei, und werden deshalb von den Betroffenen gar nicht bemerkt.  Wiederholte Wirbelkörperfrakturen können sich deshalb auch nur darin äussern, dass die Körpergrösse abnimmt und sich der Rücken durch die Deformation der Wirbelsäule immer weiter krümmt.
  • Zweithäufigster osteoporotischer Bruch ist die Fraktur des Oberschenkelhalses. Oberschenkelhalsfrakturen sind in höherem Lebensalter bei beiden Geschlechtern verbreitet: Bis zum 80. Lebensjahr haben etwa 15% von Frauen und 5% aller Männer eine solche Fraktur erlitten. Sie entstehen meist als Folge eines Sturzes, bei der der Betroffene auf die Seite stürzt.  Schenkelhalsfrakturen bedeuten für die meist betagten Betroffenen immer ein Risiko für dauerhafte Invalidisierung.
  • An dritter Stellen der Rangliste der häufigsten Brüche bei Osteoporose steht die Fraktur des Unterarmes kurz oberhalb des Handgelenkes, die distale Radiusfraktur. Diese entsteht meist ebenfalls in Folge eines Sturzes, wenn der Betroffene versucht, sich beim Fallen mit der Hand abzustützen.

 

Die folgende interaktive Grafik zeigt Ihnen die drei wichtigsten Frakturorte bei Osteoporose. Klicken Sie auf eine der drei Regionen, um weitere Informationen anzuzeigen (erfordert Flash-Player):