Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine echte Volkserkrankung: Bei etwa 5% aller Menschen lässt sich eine Neigung zur Unterfunktion (subklinische Hypothyreose) nachweisen, die allerdings meist keine Beschwerden macht. Bei etwa 0.5% aller Menschen entsteht aber eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion (manifeste Hypothyreose).

Schweregrade der Unterfunktion

Man unterscheidet zwei Schweregrade der Unterfunktion:

  • Die Neigung zur Unterfunktion, „subklinische Hypothyreose“. Definitionsgemäss findet sich bei dieser Störung im Schilddrüsenlabor nur eine Erhöhung des Steuerhormons TSH während die Werte für die eigentlichen Schilddrüsenhormone (T3 und T4) im Normbereich liegen. Diese Konstellation findet sich, wie oben beschrieben, bei etwa jedem zwanzigsten Menschen. Die meisten Betroffenen haben dabei keine Beschwerden.
  • Die echte Unterfunktion, „manifeste Hypothyreose“. In diesem Falle ist nicht nur das Steuerhormon TSH erhöht, es sind auch die eigentlichen Hormone T3 und T4 erniedrigt. T4 ist immer erniedrigt, das T3 kann hingegen Anfangs noch im Normbereich liegen, da der Körper versucht, möglichst viel T4 in das stärkere T3 umzuwandeln. Diese Unterfunktion im engeren Sinne betrifft etwa jeden zweihundertsten Menschen. Patienten mit manifester Hypothyreose haben in der Regel typische Beschwerden.

Symptome der Schilddrüsenunterfunktion

Mangelt es an Schilddrüsenhormon ist es, als bremse man jeden Stoffwechselprozess und jedes Organ des menschlichen Körper: Der Körper läuft auf Sparflamme. In Gegensatz zu einer verbreiteten Vorstellung ist die Hypothyreose aber kein typischer Auslöser einer Adipositas. Die beobachtete, moderate Gewichtszunahme bei stärkerer Hypothyreose ensteht vor allem durch Wassereinlagerung, nicht aber durch Fettansammlung.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über typische Symptome einer Hypothyreose.

Symptome der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
Magen-Darm-Beschwerden: Verstopfung, Veränderungen des Geschmackempfindens
Neurologische Veränderungen: Beinträchtigtes Erinnerungsvermögen, verlangsamte Sprache, im Extremfall Koma
Hauterscheinungen: Trockene Haut, brüchiges Haar,
blasse, eventuell gelblich verfärbte Haut
Veränderungen der Sexualfunktion: Ausbleiben der Regelblutung bei der Frau, Fertilitätsstörungen. Beim Mann: Impotenz, verminderte Libido
Herz-Gefäss-System: Verminderte Pumpfunktion des Herzens mit Atemnot bei Belastung, Bluthochdruck
 Metabolische Veränderungen: Veränderungen der Elektrolyte im Blut (Hyponatriämie), erhöhte Blutfettwerte
Allenfalls leichte Gewichtszunahme, keine Auslösung einer Adipositas
Da viele der Beschwerden recht uncharakteristisch sind, werden sie häufig zunächst fehlgedeutet, z.B. als Depression. Während die manifeste Hypothyreose immer Beschwerden macht, sind die meisten Patienten mit latenter Hypothyreose beschwerdefrei.

Ursachen der Hypothyreose

Durch folgende Erkrankungen kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen:

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Die mit  Abstand häufigste Ursache der Hypothyreose in unseren Breitengraden.  Wegen der extremen Häufigkeit dieser Erkrankung wird ihr später ein eigener Abschnitt gewidmet.
  • Jodmangel: Während der Jodmangel weltweit die häufigste Ursache für eine Unterfunktion ist, ist diese Ursache in der westlichen Welt ausgesprochen selten, nicht zuletzt Dank der Jodierung des Speisesalzes.
  • Silente Thyreoiditis: Eine Unterform der Hashimoto-Thyreoiditis, bei der es typischerweise zu einem dreiphasigen Krankheitsverlauf kommt: In einer ersten Phase haben die Betroffenen eine Phase einer leichten Überfunktion, die nicht selten symptomlos verläuft. Es folgt eine Phase mit milder Unterfunktion, in der letzten Phase normalisiert sich die Hormonproduktion wieder. Die Diagnose ergibt sich aus dem typischen Verlauf und den milde Symptomen.
  • Schilddrüsenoperation: Wurde die Schilddrüse wegen eines Kropfes oder auch wegen eines Schilddrüsenkrebses vollständig entfernt, resultiert selbstverständlich eine Unterfunktion, die immer einer Behandlung bedarf. Die Entfernung nur eines Teils der Schilddrüse führt hingegen in der Regel nicht zu einem Mangel an Hormon – die übrig gebliebenen Anteile der Schilddrüse steigern ihre Funktion kompensatorisch.
  • Sekundäre Hypothyreose: In seltenen Fällen ist nicht die Schilddrüse selber die Ursache der Problematik, sondern eine gestörte Steuerung durch die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse).  Wie oben beschrieben wurde, steht die Schilddrüse unter Kontrolle des Hormons TSH, welches normalerweise von der Hypophyse gebildet wird und die Aktivität der Schilddrüse anregt. Kommt es bei einer Störung der Hypophyse zu einem Mangel an TSH, so führt dies zu einem Abfall der Hormonproduktion der Schilddrüse. Die Schilddrüse selber ist dabei eigentlich völlig gesund, es fehlt ihr einfach nur der Befehl, Hormon zu produzieren. Zu erkennen ist diese spezielle Form der Unterfunktion daran, dass in der Blutuntersuchung neben den Schilddrüsenhormonen auch das Steuerhormon TSH erniedrigt ist, während dieses bei allen anderen Formen der Unterfunktion immer erhöht ist.

Therapie der Hypothyreose

Zur Behandlung der Unterfunktion wird das fehlende Hormon in Form von Tabletten ersetzt. Zum Einsatz kommt dabei das schwächer wirksame und länger haltbare Hormon T4 (Thyroxin), welches im Gewebe vom Körper selber bedarfsgerecht in das stärkere T3 (Triodothyronin) umgewandelt wird.

 

Eine Behandlung wird immer dann empfohlen, wenn eine manifeste Hypothyreose, also ein Mangel an Schilddrüsenhormon in der Blutuntersuchung, besteht. Patienten haben dann in aller Regel auch deutliche Beschwerden, die sich durch den Hormonersatz bessern.

 

Besteht nur eine Neigung zur Unterfunktion, eine latente Hypothyreose, ist eine Behandlung nicht zwingend erforderlich. Eine Behandlung der latenten Hypothyreose wird aber empfohlen, wenn sehr hohe TSH-Werte (> als 10 mu/l) vorliegen, da dann die Entwicklung einer manifesten Hypothyrose in näherer Zukunft wahrscheinlich ist. Gelegentlich beklagen aber auch Patienten mit latenter Hypothyreose bereits typische Beschwerden einer Unterfunktion. In  diesem Fall ist der Versuch einer Therapie mit Schilddrüsenhormon sinnvoll. Bessern sich die Beschwerden unter Gabe von Schildrüsenhormon, wird die Therapie fortgesetzt. Merkt der Patient keine Linderung, so waren die Beschwerden doch eher nicht durch die Schilddrüse bedingt, die Therapie kann dann wieder abgesetzt werden und der Verlauf wird weiter kontrolliert.


Eine besondere Situation besteht in der Schwangerschaft: Da sich ein Mangel an Schilddrüsenhormon ungünstig auf die kindliche Entwicklung auswirkt, wird bei Schwangeren jede Form der Unterfunktion, also auch die latente Hypothyreose, behandelt, unabhängig davon, ob Beschwerden seitens der Unterfunktion bestehen oder nicht.

 

Wieviel Schilddrüsenhormon wird benötigt? Die für einen ausreichenden Ersatz notwendige Dosis ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und muss für jeden Patienten individuell gefunden werden. Dies geschieht, indem mit einer kleinen Dosis Thyroxin (T4) täglich begonnen wird. Nach frühestens 4-6 Wochen wird das Steuerhormon TSH bestimmt. Ist dieses weiterhin erhöht, so signalisiert dies einen weiterbestehenden Mangel an Schilddrüsenhormon. Die Hormondosis wird dann leicht erhöht. Nach weiteren 4-6 Wochen wird dann das TSH erneut kontrolliert. Dieser Ablauf wird solange wiederholt, bis das TSH im Normbereich eingestellt ist.