Jod und die Schilddrüse

Zur Herstellung von Schilddrüsenhormon benötigt die Schilddrüse Jod.  In vielen Regionen der Welt ist das Jod in den Böden aber knapp; so z.B. auch in vielen Gegenden Deutschlands. Enthält die Nahrung nur unzureichende Mengen an Jod, kommt es zu Engpässen bei der Herstellung der Schilddrüsenhormone. Der resultierende ständige, leichte Mangel an Schilddrüsenhormon führt zu einer vermehrten Produktion des Steuerhormons TSH durch die Hypophyse, die damit versucht, die Schilddrüse zu stärkerer Hormonproduktion anzuregen (siehe auch die Seite: Steuerung der Schilddrüse). Im Laufe der Jahre kommte es durch diese Anregung zu einem Grössenwachstum der Schilddrüse: Ein Kropf, eine Struma, entsteht.

 

Eine weitere, weniger bekannte Folgeerscheinung eines Jodmangels ist die Störung des Nervensystems: Ein auch nur subtiler Mangel an Schilddrüsenhormon führt zu Entwicklungsstörungen des Gehirns, so dass vor allem im Kindesalter eine Intelligenzminderung resultieren kann. In der Schwangerschaft sollte deshalb auf eine ausreichende Jodzufuhr geachtet werden, um eine normale Entwicklung des kindlichen Gehirns zu garantieren.


Um einem Mangel an Jod und den dadurch bedingten Erkrankungen entgegenzuwirken, wurde die Jodierung des Speisesalzes eingeführt. Während bis dahin teils extreme Vergrösserungen der Schilddrüse an der Tagesordnung waren, sind diese heute dadurch viel seltener geworden. Leichtere, durch Jodmangel bedingte Schilddrüsenvergrösserungen und dadurch bedingte Schilddrüsenknoten sind aber weiterhin häufig.

Wieviel Jod benötigen wir und wo ist es enthalten?

Lebensmittel, die stark jodhaltig sind, entstammen vor allem dem Meer, so z.B. Seefisch oder Meeresfrüchte. Das handelsübliche Jodsalz enthält pro Gramm etwa 20 Mikrogramm Jod. Die Aufnahme folgender Mengen an Jod wird täglich mindestens empfohlen (Quelle: Food and Nutrition Board, Institute of Medicine):
Empfohlene Mindestaufnahme von Jod 
 Kinder
Je nach Lebensalter 90-130 micg
Erwachsene 
150micg täglich
Schwangere Frauen   
220 micg täglich
Stillende Frauen 
290 micg

Ist zuviel Jod gefährlich?

Das Überschreiten der oben genannten Mindestempfehlungen ist für den Schilddrüsengesunden unbedenklich. Bei Patienten mit einer vorbestehenden Funktionsstörung der Schilddrüse kann hingegen die Zufuhr sehr grosser Mengen von Jod Symptome auslösen: Bei Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion resultiert eventuell eine gesteigerte Hormonproduktion. Bei Patienten mit einer Unterfunktion (Hashimoto Thyreoiditis, siehe dort) kann hingegen genau der gegenteilige Effekt eintreten und eine Verminderung der Hormonproduktion ausgelöst werden. Die über die Nahrung aufgenommenen, vergleichsweise geringen Jodmengen machen diesbezüglich in der Regel keine Probleme. Vorsicht ist aber geboten, wenn bei Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen (besonders bei der Überfunktion) eine Anwendung stark jodhaltiger Arzneimittel erfolgt.

 

So, wie viele andere sinnvolle medizinische Massnahmen, hat auch die Jodierung des Salzes ihre Kritiker. Trotz der Jodierung des Salzes ist die Jodzufuhr für viele Menschen aber immer noch nur knapp ausreichend, jodmangelbedingte Schilddrüsenerkrankungen sind weiterhin häufig.

 

Extreme Schilddrüsenvergrösserung (Struma), ausgelöst durch chronischen Jodmangel. Historisches Foto, Quelle: Wikipedia commons.
Quelle: Wikipedia commons

Wichtig ist es auch, sich daran zu erinnern, dass in Jodmangelgebieten, wie eben auch in vielen Regionen Deutschlands, teilweise extreme Schilddrüsen-vergrösserungen an der Tagesordnung waren.  Das nebenstehende historische Foto zeigt eine extreme Schilddrüsenvergrösserung durch chronischen Jodmangel.