Schilddrüsenerkrankungen und Schwangerschaft

Da Erkrankungen der Schilddrüse verbreitete Probleme sind, stellt sich häufig die Frage, wie sich auf die Schwangerschaft auswirken können und ob und wie sie in der Schwangerschaft behandelt und überwacht werden sollten. Im folgenden Abschnitt möchten wir dabei vor allem auf die beiden häufigsten Funktionsstörungen der Schilddrüse eingehen: Die Überfunktion (Hyperthyreose) und die Unterfunktion (Hypothyreose).

Schilddrüsenunterfunktion und Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist für das heranwachsende Kind die Versorgung mit einer ausreichenden Menge von Schilddrüsenhormon von grösster Bedeutung. Vor allem neurologische Folgen, wie eine Verminderung der Intelligenz des Kindes, könnten im schlimmsten Falle aus einer unbehandelten Hypothyreose der Mutter resultieren. Weitere Folgen einer mütterlichen Schilddrüsenunterfunktion sind geringes Geburtsgewicht des Kindes, Frühgeburt, mütterlicher Bluthochdruck und andere

 

In der Schwangerschaft wird deshalb auch bei leichtesten Formen der Unterfunktion eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen empfohlen. Ziel der Behandlung ist eine Normalisierung von T3, T4 und TSH in der Blutuntersuchung. Zu beachten bei der Interpretation der Laborwerte ist dabei, dass der Normwert für das Steuerhormon TSH in der Schwangerschaft niedriger liegt als ausserhalb der Schwangerschaft.

 

Ist eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion schon vor der Schwangerschaft bekannt, muss in einer Mehrzahl der Fälle die Hormondosis erhöht werden. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass meist 20-30% höhere Dosen an Schilddrüsenhormon benötigt werden, um die Laborwerte im Zielbereich zu halten. Es wird deshalb empfohlen, die Schilddrüsenfunktion besonders engmaschig zu überwachen. Viele Endokrinologen erhöhen die Dosis an Schilddrüsenhormon schon beim Eintreten der Schwangerschaft, um dem zu erwartenden Mehrbedarf zuvorzukommen und eine Unterversorgung sicher zu vermeiden.

Schilddrüsenüberfunktion und Schwangerschaft

Ob eine Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft behandelt werden sollte, hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab:

 

  • Eine subklinische Hyperthyreose bedarf in der Schwangerschaft nur einer engmaschigen Überwachung, eine Therapie ist nicht notwendig.
  • Eine manifeste Hyperthyreose kann in der Schwangerschaft hingegen zu verschiedenenen Problemen, wie z.B. Fehlgeburt, frühzeitigen Wehen und geringem Geburtsgewicht des Kindes führen. Stellt der Arzt in der Schwangerschaft eine manifeste Hyperthyreose fest, wird deshalb in der Regel mit Medikamenten behandelt, die die Hormonsynthese der Schilddrüse unterdrücken (Thyreostatika). Die Anwendung dieser Medikamente ist sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit sicher.

 

Anders als bei der Hypothyreose, die auch schon bei leichter Ausprägung behandelt werden sollte, muss die Einstellung einer Schilddrüsenüberfunktion aber in der Schwangerschaft nicht ganz so streng sein: Man versucht, die geringste Dosis an Medikation zu finden, mit der sich die Werte für T3 und T4 im Blut normalisieren lassen. Ein leicht erniedrigtes TSH darf toleriert werden. Die Schilddrüsenwerte sollten in der Schangerschaft unter der thyreostatischen Medikation engmaschig überwacht werden (z.B. alle 4 Wochen).

 

Nicht selten wird eine Überfunktion erst in der Schwangerschaft erstmals bemerkt. In diesem Fall ist es nicht immer möglich, die zugrundeliegende Erkrankung mit Sicherheit festzulegen: In den Fällen, in denen eine Szintigraphie zur Klärung der Ursache notwendig wäre, muss bis zum Ende von Schwangerschaft und Stillzeit gewartet werden, bis die Untersuchung erfolgen darf. Bis dahin wird die Tätigkeit der Schilddrüse medikamentös eingestellt.