Schilddrüsenknoten

Ein Schilddrüsenknoten ist eine sichtbare, tastbare oder in der Bildgebung durch (z.B. Ultraschall, CT) darstellbare Gewebevermehrung der Schilddrüse. Während Knoten von den betroffenen Patienten früher meist selber zuerst bemerkt wurden, werden Sie heute häufiger im Rahmen einer Schilddrüsenuntersuchung vom Arzt festgestellt oder z.B. bei einer Computertomographie als Zufallsbefund entdeckt.


Die Abklärung von Schilddrüsenknoten zählt zu den grössten Herausforderungen in der endokrinologischen Sprechstunde. Warum?

  • Schilddrüsenknoten sind sehr häufig, sie finden sich bei etwa jedem dritten Menschen.
  • Sie sind in der weit überwiegenden Zahl der Fälle gutartig, können aber auch durch einen Schilddrüsenkrebs hervorgerufen sein.
  • Die notwendige Unterscheidung zwischen den sehr häufigen harmlosen Knoten, die in der Regel belassen werden können und den seltenen bösartigen Knoten, die einer chirurgischen Therapie bedürfen, ist schwierig: Es gibt viele Untersuchungen, die Hinweise bezüglich der Gutartigkeit oder Bösartigkeit eines Knotens liefern, aber kein Verfahren, welches letztlich eine einhunderprozentige diagnostische Sicherheit bietet .
  • Liesse man wegen dieser immer verbleibenden Restunsicherheit aber jeden gefundenen Knoten chirurgisch entfernen, hätte man nur wenigen Menschen genutzt (denjenigen, die tatsächlich einen Schilddrüsenkrebs hatten) aber viel mehr Menschen durch mögliche Komplikationen der Operation geschadet.


Trotz der genannten diagnostischen Schwierigkeiten lässt sich aber mit wohlüberlegtem diagnostischem Vorgehen und sorgfältiger Verlaufskontrolle in der Regel ein hohes Mass an Sicherheit für den Patienten erreichen, ohne dass zu häufig operiert werden muss.

 

Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht über die Erkrankungen, die zur Ausbildung eines gutartigen oder bösartigen Knotens in der Schilddrüse führen können:

 Gutartige Schilddrüsenknoten Bösartige Schilddrüsenknoten
Strumaknoten Differenzierter Schilddrüsenkrebs
(papilläres, follikuläres Karzinom)
Schilddrüsenzysten Undifferenzierter Schilddrüsenkrebs
Follikuläre Adenome Medulläres Schilddrüsenkarzinom
Knotenbildungen bei Hashimoto-Thyreoiditis Schilddrüsen-Lymphom
Metastasen anderer Krebserkrankungen

Unter den gutartigen Ursachen spielen die durch chronischen Jodmangel entstehenden Strumaknoten und die adenomatösen Knoten (gutartige Wucherungen des Drüsengewebes) die zahlenmässig grösste Rolle. Bei den bösartigen Ursachen sind vor allem die differenzierten Schilddrüsenkrebse häufig, so dass die Diagnostik vor allem darauf abzielt, diese zu erkennen.

Wie unterscheidet man gutartige und bösartige Schilddrüsenknoten?

Wie bereits beschrieben, muss bei der Beurteilung eines Schilddrüsenknotens immer eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden. Untersuchungen, die bei der Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Knoten helfen, sind:

 

  • Die Krankheitsgeschichte. Ist der Knoten plötzlich aufgetreten oder allmählich? Besteht eine Wachstumstendenz? Bestehen weitere Beschwerden, wie Heiserkeit, Gewichtsverlust oder Verschlechterung des Allgemeinbefindens? Jeder Knoten der plötzlich aufgetreten ist und eine Wachstumstendenz zeigt, ist zunächst einmal verdächtig. Auch eine neu aufgetretene Heiserkeit kann ein Warnzeichen sein und eine Schädigung des hinter der Schilddrüse verlaufenden Stimmbandnerven anzeigen. Eine Verschlechterung des Allgemeinbefindens des Patienten und ein Gewichtsverlust kann auf eine Krebserkrankung hindeuten, aber auch ein Anzeichen für eine Überfunktion der Schilddrüse sein.
  • Der Tastbefund: Ist der Knoten verschieblich oder mit der Umgebung „verbacken“ (dies ist ein Anzeichen für Bösartigkeit)? Sind Lymphknoten im Hals vergrössert?
  • Der Ultraschallbefund: Die häufigen Strumaknoten, die durch chronischen Jodmangel entstehen, haben ein ganz typisches Aussehen im Ultraschall. Sie sind gut vom normalen Schilddrüsengewebe abgrenzbar und von einem typischen Saum („Halo“ genannt) umgeben. In der Untersuchung der Durchblutung (sog. Doppler-Ultraschall) finden sich die Blutgefässe vor allem in diesem Saum, während kaum Gefässe in die Knoten hereinziehen. Knoten die hingegen unscharf begrenzt sind und eine vermehrte Durchblutung des Zentrums aufweisen, haben ein höheres Risiko, bösartiger Natur zu sein.
  • Die Laboruntersuchung: Findet sich in der Überprüfung der Blutwerte ein Hinweis auf das Bestehen einer Überfunktion (Hyperthyreose), so sollte durch eine Szintigraphie geklärt werden, ob der Knoten Schilddrüsenhormone produziert.
  • Die Schilddrüsenszintigraphie wird vor allem veranlasst, wenn im Labor Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion bestehen. Zeigt sich nämlich in der Untersuchung, dass der Knoten Hormone bildet, so kann Entwarnung gegeben werden: Knoten, die vermehrt Hormone produzieren, sind praktisch ausnahmslos gutartig. Sie können dann durch eine Radiojodtherapie schmerz- und nebenwirkungsfrei ausgeschaltet werden. Knoten, die in der Szintigraphie keine Speicherung zeigen („Kalte Knoten“) können hingegen gut- oder bösartig sein, in diesem Fall erlaubt die Szintigraphie also keine klare Unterscheidung.
  • Die Feinnadelpunktion. Bei dieser Untersuchung wird mit einer dünnen Kanüle unter Ultraschallkontrolle in den Knoten eingestochen. Die Zellen, die nach Rückzug der Nadel im Inneren der Kanüle verbleiben werden auf einer kleinen Glasplatte (Objektträger) ausgestrichen und zur Mikroskopie eingeschickt. Das zytologische Bild kann Aufschluss über die Art des Knotens geben.  Besteht ein klar gutartiges Zellbild, kann eine Operation vermieden werden. Finden sich hingegen Zellen, bei denen eine Bösartigkeit nicht ausgeschlossen werden kann, ist eine Operation zu empfehlen. Nicht immer können mit der Punktion ausreichend Zellen zur Untersuchung gewonnen werden: In etwa 10-20% der Fälle lässt sich kein ausreichendes Material gewinnen.
Um aus der Vielzahl dieser Indizien ein schlüssiges Bild zusammenzusetzen und die richtige Strategie bezüglich der Therapie und weiteren Überwachung zu wählen, sollte ein auf diesem Gebiet erfahrener Arzt konsultiert werden.

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