Therapeutische Möglichkeiten

Der folgende Abschnitt soll Ihnen eine Übersicht über einige wichtige Therapieverfahren bei Erkrankungen der Schilddrüse geben. Welche Behandlungsform bei welcher Erkrankung konkret in Frage kommt, werden wir auf den darauf folgenden Seiten näher erläutern. Sind Sie selber betroffen, sollten Sie sich aber immer auch ärztlich beraten lassen.

 

Folgende Therapien bilden die Grundlage der Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen:

  • Medikamentöse Therapieformen: Ersatz von Schilddrüsenhormon oder Hemmung der Herstellung von Schilddrüsenhormon
  • Operative Verfahren: Teilweise oder vollständige operative Entfernung der Schilddrüse
  • Radiojodtherapie: Behandlung mit radioaktivem Jod bei Schilddrüsenüberfunktion oder zur vollständigen Beseitigung von Geweberesten nach Krebserkrankungen der Schilddrüse

Medikamentöse Therapie

Die Medikamente, die bei Schilddrüsenerkrankungen zum Einsatz gelangen, lassen sich in zwei grosse Hauptgruppen einteilen: In Medikamente zum Ersatz fehlender Schilddrüsenhormone (Schilddrüsenhormon-Substitution) und in Medikamente, die die Herstellung von Hormonen in der Schilddrüse drosseln (Thyreostatika). Letztere kommen bei der Schilddrüsenüberfunktion zum Einsatz.

  • Ersatz fehlender Schilddrüsenhormone (Substitutionstherapie):
    Ein Mangel an Schilddrüsenhormon lässt sich durch Medikamente relativ leicht ausgleichen. Zum Einsatz kommen dabei Präparate, die das schwächer und länger wirksame Thyroxin (T4) enthalten. Der Körper nutzt dann den Vorrat an T4 im Blut, um sich daraus bedarfsgerecht selber das stärkere T3 herzustellen, indem das zusätzliche Jodatom des T4 abgespalten wird (siehe dazu auch: Schilddrüsenhormone). Die Dosis der Medikation muss auf jeden Patienten individuell abgestimmt werden. Dies geschieht, indem 4-6 Wochen nach jeder Änderung der Schilddrüsenmedikation das Steuerhormon TSH gemessen wird: Ziel ist eine Einstellung des TSH in den mittleren Normbereich bei Wohlbefinden des Patienten. 
  • Unterdrückung einer erhöhten Schilddrüsenhormonproduktion (Thyreostase):
    Bei einer Schilddrüsenüberfunktion werden - meist für einen begrenzten Zeitraum - Medikamente eingesetzt, die über eine Hemmung des Jodeinbaus die Herstellung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Da die Medikamente nur die Herstellung neuer Hormone blocken, nicht aber die Ausschüttung gespeicherter Hormone verhindern oder die Wirkung der bereits im Blut zirkulierenden Vorräte an Schilddrüsenhormon reduzieren, kann es mehrere Wochen dauern, bis sie ihre volle Wirkung erreicht haben. Die Therapie erfordert anfangs eine genaue und engmaschige Überwachung aller drei Laborparameter (TSH, T3, T4).

Schilddrüsen-Operation

Während die meisten Erkrankungen der Schilddrüse nicht-operativ therapiert werden können, gibt es Situtationen, in denen eine operative Sanierung notwendig ist. In erfahrenen Händen ist eine Schilddrüsenoperation ein relativ kleiner Eingriff. Die Operationsnarbe am Hals ist meist kosmetisch wenig störend.

 

Beispiele für Indikationen zur operativen Therapie sind:

  • Krebserkrankungen der Schilddrüse
  • Vorliegen verdächtiger Schilddrüsenknoten, bei denen ein Krebsverdacht nicht ausgeräumt werden kann
  • Starke Schilddrüsenvergrösserung (Struma), vor allem wenn akute Beschwerden (wie Atemnot oder Schluckstörungen) bestehen
  • Bedrohliche, medikamentös nicht beherrschbare Schilddrüsenüberfunktion (Thyreotoxikose)

Durch die Nähe der Schilddrüse zum Stimmbandnerven und zu den Nebenschilddrüsen kann es zu zwei typischen postoperativen Folgeerscheinungen kommen:

  • Die Verletzung eines Stimmbandnerven kann zu Heiserkeit führen. In den meisten Fällen ist dies eine vorübergehende Erscheinung, eine dauernde Schädigung ist in erfahrenen Händen selten. Wenn beide Stimmbandnerven dauerhaft geschädigt sind, kann der Patient nicht mehr normal atmen und sprechen, da sich die Stimmbänder nicht mehr bewegen und sich deshalb die Stimmritze (der Eingang in die Luftröhre) nicht mehr öffnet - heute eine absolute Rarität.
  • Bei Verletzungen der Nebenschilddrüsen kann es zu einer vorübergehenden Verminderung des Blut-Calciumspiegels führen. Dies äusserst sich für den Patienten in Muskelkrämpfen und kribbelnden Missempfindungen, sehr selten aber auch in epileptischen Krampfanfällen. Auch diese Schädigungen sind meist vorübergehender Natur. Bleibende Schäden lassen sich durch Gabe von Calcium und Vitamin D gut therapieren, erfordern dann aber eine lebenslange Nachbetreuung.

 

Die folgende Grafik zeigt Ihnen die anatomischen Zusammenhänge zwischen Schilddrüse, Nebenschilddrüsen und den Stimmbandnerven.

Der Stimmbandnerv und die Nebenschilddrüsen können bei einer Schilddrüsenoperation in Mitleidenschaft geraten
Die Lage der Stimmbandnerven und der Nebenschilddrüsen in Bezug auf die Schilddrüse

Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie bedient sich des gleichen Prinzips wie die diagnostische Szintigraphie (s.o.): Nach Gabe von radioaktivem Jod wird dieses fast vollständig in die Schilddrüse aufgenommen und konzentriert sich vor allem dort, wo die Hormonproduktion besonders aktiv ist. Die Strahlung führt zu einer Gewebeschädigung, die sich praktisch ausschliesslich auf die Schilddrüse beschränkt. Die Radiojodtherapie ist heute die bevorzugte Therapie zur Behandlung fast aller Formen der Schilddrüsenüberfunktion. Sie kommt zudem zum Einsatz in der Nachbehandlung von Krebserkrankungen der Schilddrüse, wobei in diesem Fall aber viel höhere Dosierungen an radioaktivem Jod zum Einsatz gelangen.

 

Die Therapie ist äusserst gut vertragen. Auch junge Patienten können bedenkenlos mit Radiojod behandelt werden. Bei der Behandlung der Schilddrüsenüberfuntion sind Störungen der Fertilität durch die Bestrahlung sind ebensowenig zu erwarten wie das vermehrte Auftreten von Krebserkrankungen.

 

Die Wirksamkeit der Therapie tritt sehr langsam ein: Häufig dauert es mehrere Monate, bis erhöhte Schilddrüsenhormonwerte beginnen abzufallen. Für Patienten, die starke Beschwerden haben und deshalb nicht so lange warten können oder wollen, ist eine Operation eventuell geeigneter.