Untersuchung der Schilddrüse

Die Verfahren, die bei der Untersuchung der Schilddrüse zum Einsatz gelangen, lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen:

  • Zum einen in Verfahren, die vor allem die Struktur der Schilddrüse beurteilen. Diese helfen dem Arzt zu beurteilen, ob die Schilddrüse normgross, zu gross oder zu klein ist, oder ob sie z.B. knotig verändert ist. Eine unmittelbare Aussage über die Funktion der Schilddrüse, und ob sie zuviel oder zu wenig Hormon bildet, ist bei diesen Verfahren aber nicht möglich.  Zu den Untersuchungen, die die Struktur der Schilddrüse beurteilen, zählen vor allem die Abtastung der Schilddrüse (Schilddrüsenpalpation) und die Ultraschall-Untersuchung (Schilddrüsen-Sonographie).

 

  • Eine zweite Gruppe diagnostischer Verfahren untersucht vor allem den Funktionszustand der Schilddrüse. Hier steht an erster Stelle die Laboruntersuchung, die es ermöglicht, ein zuviel oder zuwenig an Schilddrüsenhormon festzustellen. Ebenfalls in diese Gruppe von Untersuchungen lässt sich die Schilddrüsenszintigraphie einordnen, mit der sich die Aktivitätsverteilung der  Schilddrüsenhormonproduktion grafisch darstellen lässt.

 

In diesem Kapitel wollen wir Ihnen die einzelnen Untersuchungsverfahren kurz vorstellen. Die zytologische Untersuchung des Schilddrüsengewebes mittels der Feinnadelpunktion wird gesondert, auf der Seite Schilddrüsenknoten, besprochen.

Schilddrüseninspektion und -palpation

Das einfachste kommt zuerst: Das Anschauen (Inspektion) und Abtasten (Palpation) der Schilddrüse.

 

  • Inspektion: Eine stärkere Vergrösserung der Schilddrüse lässt sich häufig schon aus der Entfernung erkennen. Leichtere Vergrösserungen werden sichtbar, wenn der Patient den Kopf nach hinten neigt.
  • Palpation: Als nächstes wird die Schilddrüse abgetastet. Dabei steht der Arzt in der Regel hinter dem Patienten und tastet den Hals mit beiden Händen ab. Der Arzt beurteilt mit dem Abtasten die Grösse der Schilddrüse, die Konsistenz des Gewebes, er tastet eventuell vorhandene Knoten in der Schilddrüse und Lymphknotenvergrösserungen in der Umgebung. Auch eine gelegentlich vorhandene Druckschmerzhaftigkeit der Schilddrüse, die sich bei einigen Erkrankungen findet, lässt sich so beurteilen.

Ultraschalluntersuchung (Schilddrüsensonographie)

In der Regel setzt dann eine  Ultraschalluntersuchung, die Schilddrüsen-Sonographie, die Untersuchung fort. Auch die Sonographie liefert dem Arzt vor allem Informationen bezüglich der Struktur der Schilddrüse: Die Grösse des Organs, die Textur des Gewebes und das Vorhandensein von Knoten lassen sich feststellen und auch sehr gut im zeitlichen Verlauf beurteilen. Durch die Dopplersonographie lässt sich auch die Durchblutung der Schilddrüse sichtbar machen.
Die Funktion der Schilddrüse und ob zuviel oder zuwenig Hormon vorhanden ist, lässt sich mit der Ultraschalluntersuchung nicht direkt feststellen. Viele Störungen der Schilddrüsenhormonproduktion zeigen aber ein so typisches Bild im Ultraschall, dass die Sonographie wertvolle Informationen bezüglich der Krankheitsursachen liefert.

Die Abbildung unten zeigt Ihnen eine normale Schilddrüsensonographie. Die rot gestrichelte Linie auf der Zeichnung im Hintergrund gibt die Schnittebene des Ultraschallbildes an: Es handelt sich hier um einen Querschnitt. Die schwarze Struktur in der Mitte des Sonogramms entsteht durch die Luftröhre: Die in ihr enthaltene Luft leitet Ultraschall schlecht und führt zu einem "Schallschatten".

Die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse hilft, die Struktur des Organs zu untersuchen und die Grösse des Organs auszumessen
Abbildung: Normale Schilddrüsensonographie.

Laboruntersuchung

Eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Schilddrüsenhormone (T3, T4) und des Steuerhormons (TSH) ermöglicht es, den Funktionszustand der Schilddrüse zu beurteilen. Häufig reicht die alleinige Untersuchung des Steuerhormons TSH aus, um grundsätzlich festzulegen, ob ein Mangel oder ein Überschuss an Schilddrüsenhormon besteht: Ist das TSH erhöht, besteht der Verdacht auf eine Unterfunktion, bei erniedrigtem TSH der auf eine Überfunktion (siehe dazu auch: Die Steuerung der Schilddrüse).

 

Es können sich so folgende typische Konstellationen von Laborbefunden ergeben:

TSH T3, T4 Beurteilung
 Erniedrigt  Erhöht

 Schilddrüsenüberfunktion

(manifeste Hyperthyreose)

  Erniedrigt  Normal

 Latente Überfunktion

(subklinische Hyperthyreose)

Normal Normal Normale Schilddrüsenfunktion
Erhöht  Normal

Latente Unterfunktion

(subklinische Hypothyreose)

Erhöht Erniedrigt

Schilddrüsenunterfunktion

(manifeste Hypothyreose)

Mehr über die Bedeutung der verschiedenen Schweregrade der Über- und Unterfunktion erfahren Sie später, wenn diese Störungen noch näher besprochen werden.

 

Ergänzend kann bei der Frage nach dem Vorliegen sogenannter Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse auch eine Bestimmung von Schilddrüsen-Antikörpern sinnvoll sein. Da ihre Bestimmung häufig keine zusätzlichen Informationen liefert, keine prognostische Aussage erlaubt und die Antikörper auch bei einer Vielzahl schilddrüsengesunder Menschen nachweisbar sind, wird eine routinemässige Messung nicht empfohlen. Ihre Bestimmung kann auf spezielle Situtationen beschränkt werden.

Schilddrüsen-Szintigraphie

Die Schilddrüse nimmt sehr effektiv Jod aus dem Blut auf und speichert es: Verabreicht man Jod direkt in das Blut, hat die Schilddrüse innerhalb weniger Minuten einen grossen Teil davon aus dem Blut entfernt und eingelagert.  

Diese Tatsache macht man sich bei der Schilddrüsenszintigraphie zunutze. Bei der Szintigraphie wird dem Patienten entweder ein schwach radioaktives Jod (Jod 131) oder ein jodähnliches Element, das Technetium, verabreicht. Nach der Verabreichung werden beide Stoffe sehr schnell von der Schilddrüse aus dem Blut aufgenommen und gespeichert. Die Aufnahme erfolgt dabei vor allem in die Regionen der Schilddrüse, die gerade mit der Produktion von Schilddrüsenhormon beschäftigt sind. Anschliessend wird mit einer speziellen Strahlenkamera (einer Gammakamera) ein Bild der Schilddrüse aufgenommen, das nun die Verteilung der Strahlung in der Schilddrüse sichtbar machen kann. Aus dem Muster der Verteilung lassen sich so Rückschlüsse darüber gewinnen, in welchen Regionen der Schilddrüse mehr und in welchen weniger Hormon herstellt wird.

Die Szintigraphie liefert damit eine Abbildung der Schilddrüsenfunktion. Vor allem bei der Abklärung der Ursachen einer Überfunktion kann die Szintigraphie Klarheit schaffen.

Normales Schilddrüsenszintigramm

Abbildung: Die Schilddrüsenszintigraphie liefert eine Abbildung des Funktionszustandes der Schilddrüse. In der hier abgebildeten normalen Szintigraphie erkennt man, dass in beiden Schilddrüsenlappen gerade Schilddrüsenhormon produziert wird. Inaktive Areale der Schilddrüse bleiben dunkel ("kalt"), stärker aktive Areale senden mehr Strahlung aus ("heiss").